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Henry Desmarest

Te Deum de Paris, Dominus regnavit

Le Concert Spirituel, Hervé Niquet

Glossa/Note 1 GCD 921607
(61 Min., 2/2003) 1 CD

Der Grand Motet ist eine konzertante kirchenmusikalische Gattung, die im Frankreich des 17. Jahrhunderts zu einer Hochblüte kam: König Louis XIV. liebte diese Art der Gottesdienstgestaltung und verlangte bei seinen Kirchenbesuchen stets solche Stücke zu hören. Ein Vokalensemble und Solisten, begleitet von einem kleinen Orchester aus Streichern und Blockflöten, fordern diese kantatenartig gereihten Folgen aus Sätzen unterschiedlichen Charakters, deren unmittelbar erlebbare Textnähe auf dem Figurenrepertoire der barocken musikalischen Rhetorik basiert.
Einer der Meister des Grand Motet war Henry Desmarest, ein Schüler von Jean Baptiste Lully, dem am französischen Königshof sicher eine große Karriere beschieden gewesen wäre, hätte nicht seine skandalgeschüttelte Biografie dies vereitelt; schon 1693 fiel er erstmals in Ungnade, und 1699 musste er endgültig aus Paris fliehen.
Sein Grand Motet "Dominus Regnavit" über den Psalm 96 entstand daher im Exil in der Lorraine, von wo aus Desmarest sich - leider vergeblich - bemühte, die Gunst des Königs durch Einsendung von Kompositionen wieder zu erlangen. An der Qualität der Musik kann es nicht gelegen haben: "Dominus regnavit" ist ein Meisterwerk, dessen leidenschaftlich barocke Musizierfreude Hervé Niquet und sein Ensemble trefflich umzusetzen verstehen. Eine mit Bass, Truhenorgel und Theorben besetzte Continuogruppe tritt in den ausgedehnten Solopassagen auf sehr organische, die vokale Linie engagiert stützende Weise hervor; der fünfstimmige, vier- bzw. (im Sopran) sechsfach besetzte Chor brilliert durch ein schlankes, jugendliches, ausgesprochen flexibles Klangbild.
Aus glücklicheren Tagen im Leben Desmarests stammt sein "Te Deum de Paris": Es wurde 1687 anlässlich der Genesung des Königs nach einer Fistel-Operation im Louvre erstmals aufgeführt und begeistert durch seine aufgeräumt-fröhliche Festlichkeit bei gleichzeitigem Verzicht auf übermäßigen Pomp, wie er in dieser Gattung ansonsten üblich war. Der Satz ist hier kompakter und dichter als in "Dominus regnavit", büßt dadurch aber nichts von seiner charmanten Eleganz ein.

Michael Wersin, 21.02.2004



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