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Il Fasolo, Benedeto Pallavicino u.a.

Madrigale, Canzonettas, Serenata in lingua lombarda u.a.

Le Poème Harmonique, Vincent Dumestre

Alpha/Audiophile Sound 023
(69 Min., 6/2001) 1 CD

Das französische Vokal- und Instrumentalensemble Le Poème Harmonique ist immer für Überraschungen gut. Nicht nur, was ihre mitreißende, weil wie selbstverständlich wirkende Vermittlung zwischen sakraler und weltlicher Klangkunst aus Renaissance und Barock angeht. Ihr künstlerischer Leiter Vicent Dumestre entdeckt mit fast trüffelschweinsicherer Garantie ständig in entlegendsten Archiv-Winkeln Kostbarkeiten, die Geist und Tanzbein verbinden. Auch wenn dabei die Frage nach der Urheberschaft offen bleibt. Wie bei "Il Fasolo", diesem angeblich aus dem italienischen Bergamo stammenden Komponistenphantom, dem Anfang des 17. Jahrhunderts der Großteil dieser jetzt eingespielten Lieder aus der Feder geflossen sein sollen.
Diese ungesicherte Manuskript-Lage erweckt Le Poème Harmonique aber mit einer geradezu atemberaubenden Schönheit und dem Sinn für unverkrampfte Historizität zu neuem Leben. Da gibt es vitale Bodenständigkeit neapolitanischer Prägung zu bestaunen. Wie in dem kulinarischen Dialog "La Barchetta Passaggiera" über Brokkoli, Gnocchi und Radieschen. Dann wechselt man über karnevaleske Ausgelassenheit die Straßenseite hin zu melancholischen Liebesbekenntnissen, die in ihren tief-dramatischen Dimensionen einem geradezu den Atem stocken lassen. Was übrigens auch für Il Fasolos Zeitgenossen Benedeto Pallavicino gilt, dem für sein Madrigal "O dolorosa sorte" kein Geringerer als Claudio Monteverdi Pate gestanden haben muss.

Guido Fischer, 22.02.2003



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