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Denis Gaultier, Ennemond Gaultier, Jacques Gallot, Charles Mouton, Francois Dufaut u.a.

La belle homicide - Lauten-Stücke

Rolf Lislevand

naive/helikon harmonia mundi 8880
(62 Min., 4/2003) 1 CD

Unüberhörbar ist der Norweger Rolf Lislevand ein Schüler von der Ikone des Lautespiels, von Hopkinson Smith. Wie sein Lehrer kann Lislevand in aller Zurückgezogenheit, in der kammermusikalischsten Intimität riesige Räume gestalten und öffnen. Mit Zartheit und mit Geist, mit dem Sinn für den Charme, der hinter so manch musikrhetorischer Oberfläche schlummert, und für die sich stets unaufdringlich präsentierende Galanterie. Diese Erlebniswelten sind jetzt auf dem Album "La Belle homicide" nachzuempfinden, das in seiner Repertoire-Auswahl einen Querschnitt der französischen Lautenkunst des 17. Jahrhunderts bietet. Es sind Charakterstücke und Tänze von jenen Komponisten, die Hopkinson Smith vor über zwanzig Jahren der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hatte. Und die Lislevand in dem sagenumwobenen "Barbe-Manuskript" wieder entdeckte, einer Sammlung von Lauten-Liedern ohne Worte.
Ennemond Gaultier und sein Neffe Denis, Jacques Gallot, Charles Mouton und Francois Dufaut sind die klangvollen Namen, deren Lautenkünste eine ganze Epoche in eine melancholische Schwingung versetzten und die dabei ihre Spuren in den Airs de cour hinterlassen der Michel Lamberts und François Couperins sollten. Und was für eine kultivierte Gelehrsamkeit und poetische Tiefenwirkung besitzen diese Piècen, denen sich jetzt Lislevand so ganz ohne den Willen zur radikal authentischen Musikproduktion angenommen hat. Auf einer elfsaitigen Barocklauten-Kopie aus der Werkstatt von Stephen Murphy belebt Lislevand die kleinen, immer auch aristokratisch anmutende Gesten; führt er polyphones Kunsthandwerk mit edlen Gedanken zusammen, bei denen selbst die Verzierungen wundersame Anmut besitzen.

Guido Fischer, 24.01.2004



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