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Jean Gilles

Grand et petits motets

Les Festes d’Orphée, Guy Laurent

K617/harmonia mundi K617193
(61 Min., 11/2006) 1 CD

Unter den im Laufe der letzten Jahre "wiederentdeckten" französischen Barockkomponisten ist er vielleicht der bislang am schwächsten repräsentierte: Jean Gilles, geboren 1668, tätig in Aix, Toulouse und Avignon, verstorben schon 1705, hat vor allem durch sein "Requiem" Nachruhm erlangt. Nicht minder kreativ war er jedoch auf dem gebiet des "Grand Motet" und des "Petit Motet", zweier in Frankreich seinerzeit sehr beliebter Gattungen der Kirchenmusik für den Gebrauch in der Messfeier. Es handelt sich dabei um mehrgliedrige konzertante Kompositionen, im ersteren Fall für ein großes und ein kleines Vokalensemble, Solisten und Orchester, im zweiten Fall für einen continuobegleiteten Solisten. Vertont wurden häufig Psalmen, aber auch eine Reihe anderer Textgattungen. Von Gilles sind je etwas mehr als ein Dutzend Werke dieser beiden Gattungen überliefert; insgesamt sieben davon enthält diese CD. Musiziert werden sie vom Ensemble "Les Festes d’Orphée", beheimatet in Aix, unter Leitung von Guy Laurent. Im Duktus höchst engagiert, in der (solistischen) Einzelleistung häufig sehr ansprechend, gelegentlich etwas rustikal, vermittelt die Einspielung einen umfassenden Eindruck von Gilles’ Musik, ohne immer letzten Ansprüchen an größtmögliche Perfektion genügen zu können. Angesichts der sehr wenigen auf dem Markt momentan verfügbaren Gilleseinspielungen (außer dieser CD sind es derzeit noch weitere vier) sollten die angedeuteten Mängel den Gillesinteressierten oder Motet-Begeisterten jedoch nicht abhalten, seine Sammlung zu vervollständigen, denn die hier vorgestellten Stücke sind ansonsten nicht auf CD verfügbar. Wer hingegen diese Art französischer Kirchenmusik bisher noch gar nicht kennt, der sei zumindest alternativ auf die Gilleseinspielungen von Hervé Niquet verwiesen.

Michael Wersin, 07.09.2007



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