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Sebastian Knüpfer

Geistliche Konzerte

Johann Rosenmüller Ensemble, Arno Paduch

Christophorus/Note 1 CHR 77276
(68 Min., 10/2004) 1 CD

Was gab es in der Zeit vor Johann Sebastian Bach in der Leipziger Thomaskirche zu hören? Eine Frage, die vor dem Hintergrund der übermächtigen Präsenz der geistlichen Musik Bachs nicht allzu häufig zu konkreten Aufnahmeprojekten führt: Vielleicht ist einer Bach-Kantaten-CD automatisch mehr Erfolg auf dem Markt gewiss als einer Aufnahme mit barocker Sakralmusik früherer Komponisten. Erstaunlich gering sind jedenfalls die Katalog-Einträge unter dem Namen Sebastian Knüpfer, welcher von 1657 bis 1676 Thomaskantor war; die einzige momentan erhältliche umfangreichere Sammlung mit geistlichen Concerti dieses interessanten Komponisten ist diejenige von Robert King und seinem Ensemble in der Reihe "Bach’s Contemporaries" (Hyperion/Codaex). Möglicherweise hat Arno Paduch sich hinsichtlich der Repertoire-Auswahl bewusst für eine Ergänzung dieser früheren Produktion entschieden: Glücklicherweise nur in einem einzigen Titel sind die Programme der beiden CDs deckungsgleich.
Hinsichtlich der interpretatorischen Qualität kann Paduchs Ensemble alles in allem durchaus mit "The King’s Consort" mithalten: Besonders die beiden Sopranistinnen Eva Lebherz-Valentin und Annegret Kleindopf glänzen durch leichte und flexible, gleichzeitig aber gut fokussierte Stimmgebung, wodurch eine optimale Linienführung stets garantiert ist; sehr präsent ist auch der kernige Bassist Markus Flaig, der mühelos für Stringenz und Prägnanz an der Basis des Satzes sorgt. Im tenoralen Bereich kommt es dagegen gelegentlich zu Durchhängern u. a. wegen allzu kopfiger und in der Folge auch ab und zu etwas unsauberer Singweise. Hin und wieder verliert sich das vokale Ensemble ein wenig in den langen Passagen imitatorischer Durchführung choral-basierter Soggetti: Man bemerkt, wie schwer es ist, ein geistliches Concerto von rund zehnminütiger Dauer wirklich spannungsvoll und nah am Text bzw. seiner Aussage durchzugestalten; ein hohes Maß an rhetorisch-musikalischer Expressivität ist dazu erforderlich, das nicht alle Sänger des Ensembles immer in gleichem Maße aufzubringen vermögen – man bemerkt, dass wir es heute nicht mehr gewohnt sind, aus der vollen Kraft persönlicher Gläubigkeit heraus musikalisch zu verkündigen. Ansonsten jedoch faszinieren die Kongruenz zwischen Vokalisten und Instrumentalisten und besonders auch der sehr geschlossene, weitgehend intonationsreine Klang von Streichern, Posaunen, Zinken und Dulzian: Höchste Klangkultur und hervorragende spieltechnische Fertigkeit bestimmen hier das Bild.

Michael Wersin, 02.07.2005



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