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Diverse

Erna Berger. A Vocal Portrait

Erna Berger, div. Orchester und Dirigenten

Naxos 8.110733
(74 Min., 1934 - 1949)

Kein Zweifel, Erna Berger (1900-1990) war ein Stimmwunder: Selbst in ihren späten Aufnahmen aus den 50er Jahren präsentierte sie sich mit einer zauberhaft schlanken und mädchenhaften, weitgehend unversehrt gebliebenen Stimme; die Jahrzehnte des Wirkens auf den Bühnen der Welt - noch 1949 debütierte sie an der Metropolitan Opera - scheinen ihr so gut wie gar nichts angehabt zu haben. So etwas gibt es in der durch Aufnahmen nachvollziehbaren Geschichte des Gesangs nur sehr, sehr selten; zahlreiche Gegenbeispiele in Form von erschreckend kurzen Karrieren demonstrieren hingegen den weitaus wahrscheinlicheren Verlauf eines Sängerlebens. Hat sich Erna Berger also geschont? Auf den ersten Blick sieht das nicht so aus: Ihre Biografie weist keine größeren beruflichen Lücken auf, und hinsichtlich des Repertoires hat sie sich erstaunlicherweise in Bereiche vorgewagt, die eigentlich mit ihrem Material nicht viel zu tun haben. So besitzt sie keineswegs die dramatische Kraft für Puccinis Butterfly (Leontyne Price hätte wahrscheinlich zwei bis drei Bergers mühelos hinweggefegt), und selbst für die Königin der Nacht fehlt es bei objektiver Betrachtung an Stringenz und Kraft. Dennoch hat sie in beiden Partien durchaus etwas zu sagen, wie das vorliegende Porträt u. a. belegt - nicht, indem sie über ihr Fach hinausforciert, sondern indem sie sich und ihren Mitteln in jeder Sekunde vollkommen treu bleibt. Hier liegt gleichzeitig das Geheimnis ihrer jahrzehntelangen stimmlichen Frische.
Selbstverständlich ist sie in Verdis "Traviata" auch keine überwältigend tragische Violetta, und den Berufsalltag der Kurtisane hört man aus ihrer Version der großen Soloszene des ersten Aktes (1940 in deutscher Sprache aufgenommen) nicht heraus. Allerdings bewährt sie sich vollkommen als Adele in Strauß' "Fledermaus" ("Mein Herr Marquis", "Spiel ich die Unschuld vom Lande"): Hier haben ihre Interpretationen zeitlose Gültigkeit weit über ihre eigene sängerische Erfolgsstory hinaus. Zu rühren vermag sie gerade auch mit einfachen Dingen: Flotows "Letzte Rose" erklingt auf dieser CD in makelloser Schönheit (1935 unter Leo Blech), und als Tyrolienne verleiht sie dem für Sopran arrangierten Entr'acte aus Donizettis "Regimentstochter" berückenden Glanz.

Michael Wersin, 05.04.2003



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