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Jean-Philippe Rameau

Opern-Arien

Jean-Paul Fouchécourt, Opéra Lafayette, Ryan Brown

Naxos 8.557993
(64 Min., 2/2006) 1 CD

Was die Senesinos für Händel waren, das war Pierre de Jélyotte für Jean-Philippe Rameau. Der wichtigste Unterschied zwischen den vokalen Gipfelstürmern bestand jedoch darin, dass Jélyotte ganz und gar über eine naturbelassene Stimme verfügte. In Frankreich nannte man solche Phänomene, die mühelos den Spagat vom e bis zum zweigestrichenen c schafften, Haute-contre. Und zum Glück gibt es auch heute noch eines dieser seltenen Exemplare, die diese mehr gestalterisch und weniger akrobatisch angelegte Tenorkunst beherrschen. Und dass Jean-Paul Fouchécourt genau der richtige Mann ist, um mit einem Arienrezital an Pierre de Jélyotte zu erinnern, steht seit seinen kaum zählbaren Rameausternstunden mit den Barockgranden Marc Minkowski, William Christie und Hervé Niquet außer Frage.
Jetzt ist Fouchécourt aber in die Neue Welt gereist und hat sich mit der Alte-Musik-Spezialistentruppe Opera Fafayette zusammengetan. Die vom Ensemblegründer Ryan Brown dirigierten Musiker an den historischen Instrumenten müssen sich jedoch überhaupt nicht vor der europäischen Konkurrenz verstecken, was den mitreißenden Feinschliff, die pointierte Rhythmik sowie die gefühlvollen Stimmungstemperaturen angeht. Bei seiner Jélyotte-Hommage hatte Fouchécourt aber zunächst die Qual der Wahl. Schließlich stand sein Kollege seinerzeit in nicht weniger als 13 Rameauopern im Mittelpunkt. Angefangen von der gehörnten Nymphe Platée über den liebestollen Castor in der Tragédie Lyrique "Castor et Pollux" bis zum Luftgeist Zaïs in dem nach ihm benannten Ballet héroïque. In all diese Rollen schlüpft Fochécourt nun erwartungsgemäß delikat und galant, mit stimmschauspielerischer Komik und der nötigen Würde. Und wenn er als "Dardanus" selbst in den Sopranhöhen für ein hochdramatisches Seelenbeben in "Lieux funestes" sorgt, sind alle Fragen über die Vorzüge dieser außergewöhnlichen Stimmlage beantwortet – dank eines außergewöhnlichen Künstlers.

Guido Fischer, 11.01.2008



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