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Vincenzo Bellini, Giuseppe Verdi, Giacomo Puccini u.a.

Live in Tokyo – 1973

Renata Tebaldi, Franco Corelli

Dynamic/Klassik Center 33542
(89 Min., 11/1973) 1 DVD

Rezitals von berühmten Opernsängern sind oft Nepp: Ein Publikum, das schon durch die bloße Präsenz der angebeteten Stars paralysiert ist, wird nach Entrichtung stattlichster Eintrittspreise mit einer Handvoll Arien abgespeist und darf dafür auch am öffentlichen Einsingen der Künstler teilnehmen: Der Abend beginnt in der Regel mit ein paar unbedeutenden Liedchen oder mit altitalienischen Arien, im vorliegenden Fall (Tebaldi und Corelli live in Tokio, 1973) Denza und Bellini von Franco Corelli, Glucks "O del mio dolce ardor" von Tebaldi. Für Corelli gehört wohl auch das danach lieblos heruntergesungene "La donna è mobile" noch zum Aufwärmprogramm. Erst danach lichten sich die Nebel der Belanglosigkeit ein wenig mit Verdis "Già nella notte densa" aus "Otello", welches mit einer unfreiwillig komischen Szene beginnt: Das kurze Vorspiel mit Cellosolo misslingt dem japanischen Orchester kläglich, Tebaldi und Corelli wenden ihre Köpfe, einerseits um Konzentration bemüht, andererseits aber auch irritiert über diesen Jammer, dem Dirigenten zu; mitbedingt durch die sehr schlechte Bildqualität hat Corelli dabei unverkennbare Ähnlichkeit mit Helmut Fischer ("Monaco Franze"). Zum Brüllen – danach scheint übrigens auch Herrn Corelli an jenem Abend des Öfteren zu Mute gewesen zu sein, während Frau Tebaldi eher vornehm-zurückhaltend säuselt. Zwei Soloarien werden auf diese Weise noch exekutiert, dann geht es gattungstechnisch wieder zurück an den Anfang: Corelli verzaubert die Japaner mit einer englischsprachigen Orchesterversion des Griegliedes "Ich liebe dich" und mit Monteverdis "Lamento d’Arianna" (kein Witz!), Frau Tebaldi wartet u. a. mit Rossinis "Regata veneziana" auf. Zum Schluss dann noch "O soave fanciulla" das Schlussduett des ersten Aktes von "La Bohème", und das war’s: Nicht etwa der erste Teil, sondern der ganze Abend. Folgen noch ein paar Zugaben, bei denen das Orchester nicht mehr dabei ist, sondern ein eigens auf die Bühne gerollter Flügel Verwendung findet: Liedchen von de Curtis, Tosti, Donizetti und Cardillo und am Schluss "O mio babbino caro", womit man eigentlich nicht einmal mehr bei Aufnahmeprüfungen an Hochschulen aufkreuzen darf – und schon sind die Dollarscheinchen verdient. Das Business ist verrottet und war es offenbar auch schon vor 40 Jahren.

Michael Wersin, 11.01.2008



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