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Diverse

The Country Called Musik - Eugene Kissin (Filmporträt)

Evgeny Kissin, Vladimir Spivakov, Yehudi Menuhin u.a.

Great Hall/Codaex 096
(70 Min., 2003) 1 DVD, DVD 5, Region Code 0

Qualität und Ausstattung der vorliegenden DVD sind recht dürftig, aber da es sich wohl um das einzige derzeit greifbare Filmporträt über Evgeny Kissin handelt (dies wird auf dem Rückseitentext der Box behauptet), muss man aufgrund des Inhalts für dieses Produkt plädieren: Kissin selbst kommt hier im Interview ausgiebig zu Wort, er entpuppt sich als Literaturliebhaber, der ständig auf Weiterbildung bedacht ist, zudem als überaus nachdenklicher Grübler, der bisweilen quälend lang nach Worten sucht. Auszüge aus Konzertmitschnitten ergänzen die Gesprächssequenzen; Kissin präsentiert sich hier im Wesentlichen als Interpret russischer Klaviermusik, aber auch eine furiose Strauß-Walzer-Bearbeitung und ein Ungarischer Tanz von Brahms werden brillantest zum Besten gegeben. Eindrucksvoll ist beim Betrachten seiner Hände die schiere Kraftfülle seines Spiels, fast ein bisschen gruselig die Aufnahmen aus der Kindheit und Jugend, die prinzipiell schon dieselbe Präzision, Perfektion und Ernsthaftigkeit zeigen. Garniert ist das Ganze mit Filmaufnahmen besonders von St. Petersburg bei Tag und bei Nacht, die Lust auf eine Russlandreise machen. Es entsteht für den westlichen Betrachter ein schemenhafter Eindruck von der Fremdheit der Kultur, in der Kissin aufgewachsen ist und in der er, so bekennt er im Interview, sich zwar nach wie vor heimisch fühlt, ohne allerdings ganz in Russland leben zu können. Neben einigen wenigen Künstlerkollegen kommt auch Anna Pawlowna Kantor, die Klavierlehrerin aus Kindertagen, kurz zu Wort: Eine streng wirkende, aufrechte und robuste alte Dame in kittelschürzenähnlichem Kleid - wie so ganz anders als bei uns funktioniert doch dort die Hochbegabtenförderung. Für alle diese Impressionen nimmt man, wie gesagt, die schlechte Qualität in Kauf: Die einzige Audiosprache ist Russisch, Untertitel sind nur in schlechtem Englisch verfügbar; gewisse Übertragungsfehler - "Wigmore Hall" ist z. B. als "Vigmarhall" wiedergegeben - lassen eine nicht fachkundige englische Untertitelung vermuten. Außerdem ist das Bild zumeist grobkörnig und grieselig. Die Rahmenbedingungen bieten also keinerlei ästhetischen Genuss - man fokussiert sich dadurch ganz auf den Inhalt.

Michael Wersin, 03.11.2006



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