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Claude Debussy, Maurice Ravel, Frederick Delius u.a.

Great Pianists: Moiseiwitsch 6

Benno Moiseiwitsch

Naxos 8.11 0689
(74 Min., 1925 - 1950)

Die goldene Zeit des Klaviervirtuosentums, jener viel geschmähten und doch höchst bewunderten Paarung motorischer Höchstleistungsfähigkeit mit künstlerischer und persönlicher Ausnahme-Präsenz - dies freilich nur im Idealfall: Dass es immer auch hohles Geklingel auf hohem technischen Niveau gegeben hat, sei keineswegs bestritten. Der in Odessa geborene Benno Moiseiwitsch (1890-1963) jedoch, ein Schüler des sagenumwobenen Theodor Leschetitzky, zählte zu den "seriöseren" Klaviergiganten, die ihre Fingerfertigkeit in den Dienst prägnanter und eigenständiger Gestaltung schwerster, nur von wenigen Pianisten überzeugend zu bewältigender Musik zu stellen bereit waren. Als Enkelschüler Carl Czernys (Leschetitzky hatte gemeinsam mit Franz Liszt bei Czerny studiert) rückt er auch dessen in unseren Tagen als stupides Etüden-Gedonner gebrandmarkte Methode in ein anderes Licht.
Naxos ist mittlerweile bei Teil 6 der Moiseiwitsch-Sammlung angelangt. Die vorliegende Folge vereint bekannte und weniger bekannte Einzelstücke, von Moiseiwitsch aufgrund ihrer Brillanz häufig als Zugaben gespielt, mit dem fast vergessenen Klavierkonzert des deutschstämmigen Briten Frederick Delius. Allein wegen letzterem lohnt sich die Anschaffung der CD: Dieses zauberhafte Werk, das auf der Basis einer gefälligen, durchaus originellen Tonsprache große romantische Leidenschaft und spektakulären Einsatz des Klaviers effektvoll miteinander vereint, hätte neben den Klavierkonzerten von Grieg, Tschaikowsky und Rachmaninow eigentlich heute wieder einen Platz im Konzertleben verdient. Hörenswert sind auf dieser CD außerdem anspruchsvolle Klavier-Kleinode wie Debussys Toccata aus "Pour le Piano", Ravels "Jeux d’eau" und Granados’ "Danzas Españolas" aus Op. 37, aber auch Leopold Godowksys Konzertparaphrase über Johann Strauß’ "Fledermaus": In all diesen Stücken glänzt Moiseiwitsch nicht nur durch technische Vollendung, sondern vermittelt auch im ärgsten Getümmel noch eine eigentümliche Ruhe und Beherrschtheit, die etwa an die Atmosphäre von Sergej Rachmaninows faszinierenden Aufnahmen erinnert. Rachmaninow soll Moiseiwitsch übrigens sehr geschätzt und als seinen künstlerischen Nachfolger bezeichnet haben.

Michael Wersin, 07.06.2003



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