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Edvard Grieg, Edward Elgar, Jean Sibelius

Werke für Violine u. Klavier

Isabelle van Keulen, Ronald Brautigam

Challenge/Sunny Moon
(61 Min., 2/2007) 1 CD

Noch ist etwas Zeit, um gleich drei Gedenktagen den würdigen Rahmen zu geben. Denn bislang scheint man noch nicht richtig zur Kenntnis genommen zu haben, dass vor 50 Jahren Jean Sibelius und vor 100 Jahren Edvard Grieg gestorben sind. Und den 150. Geburtstag von Edward Elgar gibt´s 2007 gleich noch oben drauf. Immerhin Isabelle van Keulen sind diese Daten so rechtzeitig ins Auge gesprungen, dass sie die drei Komponisten mit einem Album entsprechend würdigen kann. Die dafür ausgewählten Werke für Violine und Klavier sind einerseits exemplarische Visitenkarten der kammermusikalischen Ausrichtungen. Doch weder Griegs Erstlingssonate F-Dur op. 8 noch Elgars Violinsonate e-Moll op. 82 und schon gar nicht die Sibelius-"Humoresken" haben sich im Konzertbetrieb so richtig durchsetzen können. Wer dafür als Argument vielleicht den allzu retrospektiv-klassischen Charakter (Grieg), den romantisch schwelgerischen Duktus (Elgar) und die reine Show-Piece-Laune (die Humoreske op. 87/Nr.2) anführt, muss schon gegenüber solchen reizvollen Ausdruckssubstanzen ziemlich abgehärtet sein.
Doch bei Isabelle van Keulen und ihrem Klavierpartner Ronald Brautigam liegen die Werke in den nötig guten Händen, um jeden Ignoranten eines Bessren zu belehren. Van Keulen besitzt dafür mehr als nur den runden und ausgereiften Ton. Mit ihren gestalterischen Möglichkeiten kann sie sämtliche Farbschattierungen hör- und spürbar machen, dringt sie selbst in der Elgars Totenklage "Sospiri" op. 70 mit einer Eindringlichkeit ins Herz vor, die als unterstützende Maßnahme kein fiebriges Pathos braucht. Allein diese Miniatur atmet bei van Keulen kostbar und schwer zugleich, sie kann die Bewegtheit der Romance aus der Elgarsonate mit sinnlich-einleuchtender Melancholie genauso aufladen wie dem Zögern spannungsvolle Kontur geben. Auch wenn diese Aufnahme somit geeignet wäre, das Grieg-, Sibelius- und Elgarjahr doch noch einmal so richtig anzustoßen – ihre Meriten reichen weit über 2007 hinaus.

Guido Fischer, 31.08.2007



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