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Alexander Skrjabin, Nikolai Medtner, Igor Strawinski

Klavierwerke

Evgeny Kissin

RCA/Sony BMG 82876 65390-2
(59 Min., 7/2004, 8/2004) 1 CD

Auffällig wenig war in den letzten Jahren von Evgeny Kissins russischer Herkunft zu merken. Nachdem er als Teenager die Konzertpodien noch mit Prokofjew und Tschaikowsky erobert hatte, schien Kissin in der jüngeren Vergangenheit vor allem daran gelegen, seine Interpretenpersönlichkeit an der deutschen Klassik und Romantik, an Schubert, Schumann und Beethoven auszuhärten. Eine CD mit Werken von Skrjabin, Medtner und Strawinski ist da fast eine Überraschung. Schon Skriabins dritte Sonate zeigt allerdings, dass sich Kissin von der fantastisch leichthändigen Verve seiner Jugendeinspielungen meilenweit entfernt hat. Gewichtig, ja grüblerisch geht er den Drammatico-Kopfsatz an, prüft das Kernmotiv auf seine kombinatorischen Möglichkeiten hin ab, als sei’s ein Gedanke von Beethoven. Und doch fehlt Wesentliches: Die irisierenden, über das bloße Material hinausweisenden Klangfarben, die schwelgerische Delikatesse der Skrjabin'schen Verweilzustände, der Rausch und die Ekstase, die sich spätestens im Finale Bahn brechen müssten. Die ohnehin verwinkeltere "Sonata Reminiscenza" des Rachmaninow-Zeitgenossen Nikolai Medtner verträgt Kissins bierernsten Ansatz noch weniger - für die Erfahrung von Medtners introvertierter Poesie bleibt Emil Gilels Melodia-Aufnahme von 1968 der Maßstab. Die Konkurrenz von Pollini bis Weissenberg ist auch bei Kissins "Petruschka" übermächtig, der trotz aller Fingerfertigkeit und eines rekordverdächtigen Tempos im dritten Satz kaum Atmosphäre, geschweige denn Spielwitz verrät. Ob der Junge wohl jemals im Kaspertheater gewesen ist?

Jörg Königsdorf, 12.11.2005



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