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Franz Schubert, Johann Sebastian Bach u.a.

Yehudi Menuhin - Concert Magic

Yehudi Menuhin, Eula Beal, Adolph Baller, Jakob Gimpel, Marguerite Campbell, Hollywood Symphony Orchestra, Antal Doráti

Euroarts/Naxos 2054158
(132 Min., 1947) 75 Min. (Konzert), 57 Min. (Bonus)

"Zauberkonzert" hieß diese Aufführung, die 1947 in Hollywood aufgezeichnet wurde. Und sie ist eines! Man wollte, dass auch Menschen fernab der großen Städte ein Konzert besuchen können, und zwar im Kino. Es wurde bewusst "ohne großes Make-up" gedreht, wie Produzent Paul Gordon betonte. Die Filmidee war, in einem Notenbuch zu blättern und verschiedensten Stücke zu hören. Ja, hören, denn es ging hier weniger um das Sehen. Es ging um das Hören wie eben im Konzert, wo man die Interpreten auch sieht. Der Film suchte nicht nach einer optischen Ergänzung oder filmischen Unterstützung des Gehörten durch irgendeine hinzuerfundene visuelle Ebene.
Interessant sind Kameraführung und Schnitt. Unser Blick wird nicht etwa wie durch eine Lupe in erster Linie auf die Finger und das Griffbrett des geigenden Weltstars gerichtet. Wir Zuschauer erfassen die Stimmung, in die Menuhin selbst beim Spielen gerät, die er ausstrahlt. Gerade Werke wie das "Ave Maria" von Schubert, das Menuhin so oft vor Soldaten im Krieg gespielt hat, oder die "Air" von Johann Sebastian Bach werden zum eindrucksvollen Zeugnis der Stärke von Musik. Sie wird nicht nur zum Symbol für Menschlichkeit, Trost und Hoffnung, die Musik selbst trägt diese Eigenschaften.
In einem Bonus-Track geht Menuhin 50 Jahre später auf diese Hollywood-Produktion ein und kommentiert die einzelnen Stücke und ihre Bedeutung für ihn. Aber auch ohne die eindrucksvollen Worte sind diese Aufführungen im intimen Rahmen eines mittelgroßen Barockzimmers oder eines kleinen Konzertsaales Zeugnisse wahrer Menschlichkeit. Hier spricht /spielt jemand, den der Glaube an die Macht des Guten prägt. Auch wenn die technische Qualität der Aufnahmen nicht heutigen Standards entspricht, das Ohr hört sich schnell ein und hört sich das Grundrauschen weg, weil sich die Musik selbst so rein vermittelt.
Jeder Zuschauer, aber auch jeder Regisseur, der sich noch so gern von optischen Reizen verführen lässt und damit spielt, wird sich einen Künstler wie den damals 31-jährigen Yehudi Menuhin vor die Kamera wünschen, der nichts tut als das, wofür er geboren ist: spielen.

Margarete Zander, 03.12.2005



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