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Claude Debussy, Ottorino Respighi, Ludwig van Beethoven, César Franck, Sergei Prokofjew u.a.

Pierre Monteux In France

Diverse Solisten, Orchestre National de France, Pierre Monteux

Music & Arts/Note 1 CD-1182
(570 Min., 1952 - 1958) 8 CDs

Eigentlich kam der 1875 in Paris geborene und ab den 1920ern vor allem in Übersee sowie in England und den Niederlanden tätige Dirigent Pierre Monteux nicht gern zum Arbeiten nach Frankreich: Viele der französischen Orchester waren aufgrund ihrer speziellen Organisationsstruktur bis weit ins 20. Jahrhundert hinein keine sonderlich kooperativen Klangkörper und machten auch bedeutenden Dirigenten durch undiszipliniertes Verhalten das Leben sehr schwer. Das "Orchestre National" hingegen, dessen Liveaufführungen unter Monteux aus den 50er Jahren in dieser Box umfassend dokumentier sind, bildete eine löbliche Ausnahme: Unter anderem die anständige Bezahlung der Musiker garantierte, dass diese auch bei Proben anwesend waren und ein gutes Arbeitsethos an den Tag legten; Dirigentendemütigungen blieben aus.
Dass zwischen dem "ON" und Monteux ein gutes Einvernehmen herrschte, belegen die hier auf acht CDs versammelten Liveaufnahmen: Bestechend die differenzierte Plastizität des Klangbildes, absolut überzeugend die nuancierte Gestaltung; einen diesbezüglichen Höhepunkt stellt etwa der im Mai 1956 in Paris entstandene Mitschnitt von Respighis "Pini di Roma" dar – mit höchster Spannung folgt man dieser überaus atmosphärischen Darbietung, der es weder an lyrischer Expressivität noch an dramatischer Kraft fehlt. Die Box beschert außerdem eine weitere Monteuxversion von Strawinskys "Sacre du Printemps" (Monteux war der Dirigent der skandalösen Pariser Uraufführung im Jahre 1914 gewesen), die zwar nicht ganz die Qualität der überragenden Referenzeinspielung mit dem Bosten Symphony Orchestra (1951) erreicht, aber dem näher interessierten Hörer doch aufschlussreiche Vergleichsmöglichkeiten verschafft. Großartig in puncto spannungsgeladener Intensität geriet César Francks "Symphonie d-Moll", live aufgezeichnet 1958 in Paris. Freilich sind es insgesamt vor allem die Werke der Hochromantik und der Moderne, mit denen Monteux bis heute zu begeistern versteht: Mozarts Klavierkonzert c-Moll KV 491 (mit Robert Casadesus als Solist) oder sein Violinkonzert Nr. 5 KV 219 (mit Annie Jodry) muss man unter Ausschaltung der "modernen", durch die historisch informierte Interpretationsweise geprägten Hörgewohnheiten rezipieren, um zu einem angemessenen Urteil zu gelangen. Eher über dem Zeitgeschmack stehen Monteux’ Beethoveninterpretationen (die zweite, siebente, achte und neunte Sinfonie sind enthalten); gern kehrt man aber immer wieder zurück zu Debussy ("Images", "Jeux"), Ravel ("Shéhérazade") oder auch Tschaikowski (fünfte Sinfonie) – eine Sammlung, an der man lange Zeit Freude hat.

Michael Wersin, 18.01.2008



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