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Ermanno Wolf-Ferrari, Oscar Straus, George Scott-Wood, Charles Wildman

Orchestral Jewels

Diverse Orchester

Dutton/harmonia mundi CDBP 9760
(55 Min., 1947 - 1949) 1 CD

Nicht alle Komponisten waren auch am Dirigierpult gute Anwälte für ihre Werke; man denke nur an Anton Bruckners desaströse Auftritte. Die hier vertretenen vier Meister allerdings hatten es drauf - wenngleich ihnen das auf Dauer auch nicht viel genutzt hat, denn sie versanken mitsamt ihrer Musik mehr oder weniger in Vergessenheit. Das heißt jedoch nicht, dass das hier versammelte Repertoire nicht hörenswert wäre: schön wie eine Liebesszene in einem 50er-Jahre-Hollywoodfilm (und erstklassig zur Untermalung einer solchen geeignet) etwa die "Serenade to Evening" von George Scott-Wood (1923-1978, Pianist und Gründer einer Akkordeon-Band). Hinter dem ebenfalls in diesem Programm vertretenen Charles Wildman - sein "Vienna Concerto" für Klavier und Orchester ist eine höchst atmosphärische, kleine Preziose aus der breiten Grauzone zwischen leichter Klassik und Unterhaltungsmusik - verbirgt sich der Österreicher Willy Mattes (1916-2002), Schlagerkomponist und Arrangeur, der wohl gelegentlich unter Pseudonym in Erscheinung trat. Weiterhin kommt der Wiener Operettenkomponist Oscar Straus mit fünf eigenen Nummern zu Wort, die er alle am 24. Juni 1947 mit dem New Symphony Orchestra einspielte, angeblich "in London and Zürich" - und da soll noch einer sagen, das Jet-Set-Zeitalter im Musik-Business habe erst mit Plácido Domingo begonnen. Am selben Tag soll laut Tracklisting auf dieser CD angeblich auch Ermanno Wolf-Ferrari vier Stücke eingespielt haben, auch in Zürich und auch für das Label Decca, allerdings mit dem Tonhalle-Orchester. Vielleicht hat ja Decca an jenem Datum einen ganz großen Aufnahme-Rundumschlag durchgezogen, aber es ist doch eher zu vermuten, dass hier bei Dutton etwas durcheinander gekommen ist.

Michael Wersin, 14.07.2006



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