Jazz Me Blues

Bix Beiderbecke


Dreyfus Jazz Reference/Edel Contraire
(2/1927 - 10/1927)

1927 war das beste Jahr im Schaffen Bix Beiderbeckes, dessen Todestag sich am 6. August 2001 zum 70. Mal jährt. Da jedes der ausgewählten Stücke von 1927 ein Kleinod ist, gilt es diesmal nicht zu rezensieren, sondern zu gedenken - zumal heutigen Jazzfreunden, denen diese CD zur Einführung nachdrücklich empfohlen sei, Bix Beiderbecke erstaunlich oft nur ein Name unter vielen ist.
Beiderbecke war aber der bedeutendste weiße Jazzmusiker im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Avancierte Harmonik, lyrische Melodik und sein verhaltener Kornettklang, der geradezu im Gegensatz zur vorangegangenen Hot-Tradition stand, machten das Idol des Chikago Jazz (noch vor Lester Young) zum wegweisenden Exponenten einer coolen Jazzästhetik. Der befreundete Komponist Hoagy Carmichael, dessen "Riverboat Shuffle" hier vertreten ist, beschrieb sein Spiel: "Jeder Ton für sich war schon schön, aber diese Folge von Tönen war einfach unbegreiflich. Jede Note ganz klar, ganz rein, nicht verschmiert, nicht gemästet. Er spielte so mühelos, wie andere atmen." Doch auch als Pianist und Komponist impressionistisch eingefärbter Stücke machte Beiderbecke sich einen Namen. Sein Klavierosolo "In A Mist" beendet passend diese Anthologie.
Der tragisch frühe Tod machte Beiderbecke zur Legende. Er stammt aus einer wohlhabenden, deutschstämmigen und musikalischen Familie. Der Großvater des jungen Autodidakten leitete einen deutschen Gesangsverein. Wegen schlechter Führung wurde Leon Bismarck (!) Beiderbecke aus der Militärakademie entlassen. Als Mitglied der Wolverines erspielte er sich 1924 seinen Ruhm. In den renommierten weißen Tanzorchestern von Goldkette und Whiteman, dem Vater des sinfonischen Jazz, fand er feste Anstellungen.
Da Beiderbecke keine Noten lesen konnte, legte er sich gern einen Krimi aufs Notenpult. Die Großzügigkeit des scheuen und zerstreuten Bix war sprichwörtlich, sei es, dass er Jimmy McPartland, seinem Nachfolger bei den Wolverines ein ausgezeichnetes Kornett schenkte, sei es, dass er Bessie Smith seinen ganzen Wochenlohn gab, nur damit sie weitersinge. Beim Börsenkrach verlor er alles. Die tägliche Routine und die Kommerzialität der Formationen sind mitschuldig an seinem Verfall: Alkoholismus, Depressionen, Krankheiten.
Das Jahr 1927 zeigt ihn auf der Höhe seiner Kunst - bevor all dieses Unglück auch in seinem Spiel Spuren hinterließ: Soli wie auf "Singin’ The Blues" oder "I’m Coming Virgina", die auf diesem Album zu bestaunen sind, wurden zum Muster für kommende Generationen.

Marcus A. Woelfle, 01.04.2001


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