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Diverse

Französische Opernarien

Vesselina Kasarova, Münchner Rundfunkorchester, Frédéric Chaslin

RCA/BMG 74321 67667 2
(53 Min., 7/2001) 1 CD

Hart ist das Leben eines Sängers, entbehrungsreicher sicherlich als das der meisten Instrumentalisten: "Wenn es heiß ist, nicht einmal ein eiskaltes Getränk herunterstürzen zu können", bezeichnete Vesselina Kasarova als einen besonders schlimmen Aspekt ihres Berufes; im selben Gespräch gab sie der Hoffnung Ausdruck, ihr Sohn möge später gern Pianist oder Dirigent, aber nicht Sänger werden.
Mit eiserner Disziplin und Ausdauer hat sich Kasarova an die Weltspitze gesungen. Mit welchen Mühen das verbunden ist, vergisst auch der Hörer ihrer neuen CD mit französischen Opernarien niemals ganz. Neben aller überwältigenden Aussagekraft und stupenden Technik ist ihr Gesang auch immer ein Ringen um die nie zu erreichende Schwerelosigkeit. Sehr nahe kommt sie diesem Zustand etwa mit den unvergleichlich zart getupften Aufwärtssprüngen in Gounods Arie "Que fais-tu, blanche tourterelle" aus "Roméo und Julia"; weit entfernt davon ist sie während des verzweifelt-leidenschaftlichen Spitzentons am Ende der Sapho-Arie aus der gleichnamigen Oper Goundos.
Mit diesem Bild möchte ich jedoch keineswegs einen negativen Eindruck beschreiben, ganz im Gegenteil: Selten habe ich etwas ähnlich Bewegendes und Mitreißendes gehört wie Vesselina Kasarovas künstlerische Auseinandersetzung mit dem großartigen und schwierigen Repertoire dieser CD. Wenn sich in ihrem Gesang weite ariose Kantilenen aus schwermütigen Rezitativen erheben, wenn fast schmerzhaft intensive Höhe von dunkelster Tiefe abgelöst werden, dann ist es fast unmöglich, sich diesen unerhört starken und tiefgehenden Eindrücken zu entziehen. Gerade jener existenzielle Aspekt des Singens, jenes Ringen um größtmögliche Expressivität unter Einsatz der gesamten Person bewirkt eine Dimension des Miterlebens, die einem nur bei wenigen Künstlern zuteil wird.

Michael Wersin, 09.05.2002



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