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Diverse

Richard Tauber - Opernarien 1

Richard Tauber, verschiedene Orchester und Dirigenten

Naxos historical 8.110729
(76 Min., 1919 - 1926) 1 CD

Wenn der Tenor Richard Tauber auch vor allem als Veredler der Operetten-Schmachtfetzen seines Freundes Lehár in die Geschichte eingegangen ist, so erschöpfte sich in diesem Genre doch bei weitem nicht sein Können. Vielmehr begann Tauber als vollkommen "seriöser" Opernsänger und kehrte auch immer wieder zu diesem Repertoire zurück.
Die CD dokumentiert diese Sparte seiner Gesangskunst, so wie sie in den Jahren 1919 bis 1926 auf Schallplatten festgehalten wurde. Nicht zuletzt solche Aufnahmen ermöglichten Tauber einen luxuriösen Lebensstil, denn er war einer der ersten Plattenstars der Geschichte. Leider sah er nicht den Vorteil von Tantiemen-Verträgen, sondern ließ sich stets pauschal bezahlen. Er hätte wohl vor seinem Tod nicht verarmen müssen, wenn er in diesem Punkt schlauer gewesen wäre.
Verdi und Puccini sind etwas stärker vertreten in diesem ansonsten bunt gemischten Programm. Außer dem Lied des italienischen Sängers aus Strauss' "Rosenkavalier" sang Tauber die italienischen Titel, wie damals üblich, in deutscher Sprache. Wenn man sich daran zu gewöhnen vermag, so kann man "Entfernt von ihr" ("De' miei bollenti spiriti") aus "La Traviata" oder "Und es blitzten die Sterne" ("E lucevan le stelle") aus "Tosca" durchaus einiges abgewinnen, verfügte Tauber doch über ein außergewöhnliche Stimme von teilweise bezaubernder Klangschönheit. Weitere zeittypische Interpretationseigenheiten wie das Verschleifen von Worten oder Schluchzer kommen bei Tauber zwar vor, versauern das Hörerlebnis aber nicht so wie bei vielen weniger bedeutenden Sängern dieser Jahre. Allenfalls wäre zu beklagen, dass Tauber die Vollhöhe nicht ganz frei und offen zu bilden vermag.
Korngolds "Glück, das mir verblieb" aus "Die Tote Stadt" höre ich nach wie vor viel lieber von Taubers großem Zeitgenossen Joseph Schmidt, auch wenn Tauber bei diesem Stück zusammen mit der ebenfalls legendären Lotte Lehmann zu erleben ist. Eine weitere Besonderheit in dieser ersten Folge von Taubers Operarien-Aufnahmen ist die mehr als respektable Version der berühmten Lenski-Arie aus Tschaikowskis "Eugen Onegin".

Michael Wersin, 08.08.2002



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