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Andrés Segovia

1950s American Recordings Vol. 4

Andrés Segovia

Naxos 8.111092
(71 Min., 1952-1957) 1 CD

Es gab tatsächlich noch die Zeiten, als die Gitarre im akademischen Betrieb ein Tabu war. So soll selbst noch in den späten 1940er Jahren einem zukünftigen Könner wie Julian Bream samt seiner Gitarre der Zutritt zum Londoner Royal College of Music verwehrt worden sein. Bream, aber vor allem dem Urvater des modernen Gitarrenspiels, dem Spanier Andrés Segovia, ist es jedoch zu verdanken, dass sich der Umgang mit dem Sechssaiter verändert hat. Bis jedoch selbst hochkarätige, zeitgenössische Komponisten ihr Gitarrenherz entdecken sollten, musste erst einmal ein seriöses Repertoire reifen. Und auch darin setzte Segovia Maßstäbe. Gerade entlang unzähliger Transkriptionen von Lauten- und Cembalostücken entlockte er seinem Instrument auch eine Dignität, die das Bild vom romantisch-seichten Klampfen vergessen ließ. Viele von den Piècen, die den Segovia-Stempel tragen, werden zwar heute nur noch als Zugabezückerchen gereicht. Doch die jetzt zusammengestellten Aufnahmen aus den Jahren 1952 bis 1957 bilden eben mehr als nur ein kurzweiliges Potpourri.
Die Sammlung von Kompositionen, die von der Renaissance (Luys Milán, Frescobaldi) über das Barockzeitalter (Robert de Visée, Rameau) bis zu Suiten des Segovia-Fans Manuel Ponce reichen, stehen einerseits für den Forschersinn des Spaniers. Andererseits bieten gerade die oftmals konzentriert angelegten Kunstwerke die Möglichkeit, das weiterhin Gegenwärtige in Segovias Spiel zu entdecken. Statt einem furchtlosen Griffbrettflitzer begegnet man so einem Vollblutmusiker, der jede Nuance und jede Kantilene mit einer warmen, tonlichen Fülle und Tiefe anging und dabei stets auf höchste Transluzidität Wert legte. Dass diese Tugenden auch dort in vollen Zügen zu genießen sind, wo die Klangqualität den technisch antiquierten Aufnahmebedingungen Tribut zollen musste, spricht nur für die Ausdruckskraft dieses Jahrhundertgitarristen.

Guido Fischer, 07.03.2008



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