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Frédéric Chopin, John Corigliano

Etüden op.10, Etüde Fantasy, Fantasia On An Ostinato

Ragna Schirmer

Berlin Classics/Edel 0017602BC
(61 Min., 8/2002) 1 CD

Für die Rehabilitierung der Etüde als reine Leidensgestalt für Klavier-Eleven haben sich Interpreten wie Komponisten reichlich engagiert. Die Werk-Hefte von Debussy und Ligeti sind da nur die prominentesten des 20. Jahrhunderts. Und was gleich das doppelte Etüden-Dutzend op.10 & 25 von Chopin angeht, gibt es eine Handvoll von Top-Einspielungen, in denen die Balance von aufregender Brillanz und sportlicher "Imposanz" gelungen ist. Mit dem Opus 10 ist jetzt Ragna Schirmer nicht nur eine Konkurrenz-Aufnahme gelungen. Ihr Recital "Etude Fantasy" bietet zudem einen Brückenschlag in die Werkstatt des Amerikaners John Corigliano (Jahrgang 1938). Wobei seine 1976 komponierte, fünfsätzige "Etude Fantasy" ein anspruchsvolles Fest für Pianisten ist, die wie Ragna Schirmer eine Technik besitzen, die jede noch so gefährliche Klippe aus dem Ärmel schütteln können.
Mit bruitistischen Steigerungen, perkussiven Attacken und maschinengleichen Ton-Repetitionen zeigt sich Corigliano zwar als exzellenter Kopist von Hindemith, Bartók und Prokofjew, flirrt es abgründig wie bei Skrjabin. Doch so retrospektiv diese Tonsprache ist, so spannt Ragna Schirmer abenteuerlich rauschende Bögen, setzt sie die scheinbar improvisatorisch-emotionalen Kräfte in packende Unmittelbarkeit um. Auf ähnliche Wirkung bedacht ist Schirmer bei den auf engen Raum gespannten, mondänen Zügen Chopins. Doch dabei beherzigt sie die Leichtigkeit der Präzision, die auf Zielgerichtetheit ausgelegte Darstellung des kompositorischen Prozesses sowie die Impulsivität des Diesseitigen. Eine interpretatorische Kunstleistung ersten Ranges.

Guido Fischer, 24.05.2003



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