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Giovanni Felice Sances, Antonio Bertali, Johann Heinrich Schmelzer u.a.

Stabat Mater

Carlos Mena, Ricercar Consort, Philippe Pierlot

Mirare/Harmonia Mundi MIR 050
(68 Min., 2006) 1 CD

Unter den Monarchen des 17. Jahrhunderts war Kaiser Leopold I. mit Abstand der musikalischste: Der Habsburger gab während seiner 47-jährigen Regentschaft nicht nur viel Geld für Oper und Hofkapelle aus, sondern komponierte auch selbst. Und wie das "Regina Coeli" beweist, das Philippe Pierlot und Carlos Mena für ihre neue CD ausgesucht haben, besaß ihre Majestät neben ordentlichem Handwerk sogar eine melodische Begabung. Die eigentliche Entdeckung in dem Programm, das einen Kurzabriss über die Musik des Wiener Hofes in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gibt, ist jedoch das Titel gebende Stabat Mater des 1679 verstorbenen Hofkapellmeisters Giovanni Felice Stances: Ein Stück, das aus seiner kontemplativ-deklamatorischen Grundstimmung heraus die Trauer der Gottesmutter immer wieder durch hoch expressive ariose Passagen heranzoomt und das wie geschaffen zu sein scheint für den Countertenor von Carlos Mena. Der Spanier weiß nicht nur, solche Texte mit unaffektierter Phrasierung und gut dosiertem Vibratoeinsatz zu vermitteln, sondern verfügt auch über ein Timbre, das mit seiner Mischung aus Unschuld und Wärme vermittelt – sozusagen eine etwas kräftigere, mediterrane Version von Andreas Scholl, die Pierre Pierlot und sein Ricercar Ensemble mit einer sinnlichen Abmischung von Gamben- und Geigenklang unterlegen. Trotz der abwechslungsreichen Zusammenstellung von Instrumental- und Gesangsstücken von Komponisten wie Schmelzer, Bertali und Fux kann das Album allerdings nicht verbergen, dass damals nicht nur Geniales, sondern auch gediegene Gebrauchsmusik komponiert wurde.

Jörg Königsdorf, 11.04.2008



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