Responsive image
Wolfgang Amadeus Mozart, Benjamin Britten, Ernö Dohnányi

Oboenquartett KV 370, Drei Arien aus der "Zauberflöte" u. Adagio c-Moll KV 580a, Phantasy Quartet, Serenade For String Trio op. 10

Lisa Batiashvili, François Leleux, Lawrence Power, Sebastian Klinger

SonyBMG 88697 28585-2
(63 Min., 12/2007, 1/2008) 1 CD

Wolfgang Amadeus Mozart, betrachtet aus galanter Perspektive, eröffnet dieses Programm mit seinem Oboenquartett KV 370: Eine kultiviert vibratoarme, hinsichtlich Phrasierung und Artikulation gut durchstrukturierte Darbietung kompensiert die heutzutage fast schon verwirrende Süffigkeit im Klang der modernen Instrumente, besonders der Oboe von François Leleux, der das Quartett leichtfüßig und kokett, ganz gelegentlich ein wenig zickig anführt. Ein wenig skurril vor dem Hintergrund der Originale, aber in ihrer Intimität nicht ohne Reiz, präsentieren sich die Bearbeitungen dreier Zauberflötenarien (ursprünglich für zwei Violinen, hier auf Oboe und Violine gespielt): Gelegenheitsstückchen für ein zauberflötenvernarrtes Publikum, mit Geschickt verfertigt, aber doch nicht mehr als ein harmloser Pausenfüller vor dem Adagio c-Moll KV 580a, das den Mozartteil dieses Programms abrundet – warm und intensiv im Klang, nicht zuletzt durch den Wechsel des Oboisten zum Englischhorn.
Weiter geht die Reise mit Benjamin Britten: Eine ganz andere Klangwelt tut sich auf, in der die eben noch in Mozarts Kantilenen schmachtenden Instrumente herber, rauer, diesseitiger klingen – und es sei aus diesem Blickwinkel die Rückfrage erlaubt: Wäre dies nicht auch ein passenderes, zeitgemäßes Timbre für den vorausgegangen Mozart gewesen? Das Mozart mit Zuckerguss und Sahnehäubchen exekutiert zu werden hat, sitzt allzu fest in den Köpfen auch jüngerer Musiker, wenn sie nicht explizit aus der historisierenden Ecke kommen. Aber diese Überlegungen sollen nicht die Freude schmälern an diesem kleinen Meisterwerk Brittens, einer 1932 anlässlich eines Wettbewerbs entstandenen Komposition, die die typisch englische Idiomatik der "Nachromantik" mit den Frühausläufern von Brittens ganz individuellem Tonfall (er war zum Zeitpunkt der Komposition erst 19!) verbindet und dabei stilistisch passagenweise erstaunlich originell und "gefestigt" (oder soll man sagen forsch, selbstbewusst?) klingt.
Dann schließlich eine Serenade für Streichtrio von Ernst von Dohnányi aus dem Jahre 1902, in der Wahl und Ausführung des Serenadengenres deutlich an Mozart und seine Zeit anknüpfend, durch und durch tonal und damit am Ende des Programms dieser CD versöhnend, homogenisierend (ist das nötig?): Dieses Stück ist, musikgeschichtlich betrachtet, ein melancholischer Abgesang auf eine Schwerelosigkeit und Galanterie (siehe oben: Mozarts Oboenquartett), wie sie einstmals möglich war und im 20. Jahrhundert dann bald im Rauch der Weltkriegstrümmer verblassen sollte. Immerhin: Herbere Töne mischt auch der durchaus nicht bloß epigonale Dohnányi hier und da in seine Serenade – man höre etwa das eigenwillig janusköpfige Scherzo.

Michael Wersin, 04.04.2008



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top