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Dmitri Schostakowitsch, Benjamin Britten

Cellokonzert Nr. 2 op. 126, Suite für Cello solo Nr. 3

Pieter Wispelwey, Krakauer Sinfoniker

Channel Classics/harmonia mundi CCS 25208
(61 Min., 9/2006, 12/2007) 1 CD

Im Gegensatz zum populären ersten Cellokonzert ist Dmitri Schostakowitschs zweites Werk dieser Gattung noch immer eine Rarität in den Konzertsälen: Das 1966 von Rostropowitsch uraufgeführte G-Dur-Werk ist, bis auf das kurze Scherzo in der Werkmitte, ein weitgehend trostloses Lamento, das den Solisten im eisigen Wind der Tundra stehen lässt. Wie laut singt man, wenn man ganz allein ist? Der niederländische Cellist Pieter Wispelwey weicht in seiner neuen Aufnahme dieser Kernfrage des Stücks aus, indem er versucht, möglichst wenig allein zu sein: Statt mit einem großen Orchester hat er das Stück mit der knapp 40-köpfigen Sinfonietta Cracovia eingespielt und damit den Radius enger gezogen. Die Orchesterstimmen sind quasi in Griffweite, statt den Cellisten auf dem sinfonischen Hochplateau zu isolieren. Das verkleinert zwar etwas die Tragik dieses 35-minütigen Lamentos, doch Wispelwey kann das mit warmem Celloton und innig bewegter Phrasierung gut kompensieren – ein Schostakowitsch mit menschlichem Maß.
Ungewöhnlich, aber klug die Kopplung mit Benjamin Brittens dritter Cellosuite. Das 1972 geschriebene Werk ist nicht nur Schostakowitsch gewidmet, sondern auch musikalisch ein Tribut an den Kollegen: Ein zwischen Depression, Sarkasmus und Wut oszillierender Monolog, nur dass an die Stelle der auskomponierten Leere des Orchesterparts hier die reale Leere des Raums tritt. Wispelwey ist ein ausgezeichneter Interpret dieser Werke, der diesen Raum um die Musik jederzeit spürbar macht (was etwa Jean-Guihen Queyras in seiner Einspielung nicht gelingt). Im Vergleich zu seiner ersten Einspielung der Britten-Suiten ist seine Interpretation nicht in den Rahmenkoordinaten, doch in vielen Details gereift: Die Selbstverständlichkeit in der Phrasierung ist gewachsen, die innere Ruhe auch. Schön, auf diese Art älter zu werden.

Jörg Königsdorf, 24.10.2008



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