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Béla Bartók

Konzert für 2 Klaviere, Schlagzeug und Orchester Sz 115, Violakonzert Sz 120, Violinkonzert Nr. 1 Sz 36

Tamara Stefanovich, Pierre-Laurent Aimard, Nigel Thomas, Neil Percy, Gidon Kremer, Yuri Bashmet, London Symphony Orchestra, Berliner Philharmoniker, Pierre Boulez

DG/Universal 477 7440
(70 Min., 3/2004, 5/2008) 1 CD

Nach dem zweiten Violinkonzert sowie den drei Klavierkonzerten ist jetzt Pierre Boulez auf die Zielgerade seiner Gesamteinspielung der Konzerte von Béla Bartók eingebogen. Und wie schon bei den Vorgängeraufnahmen hat Boulez auf Solisten Wert gelegt, denen das Buhlen um den Effekt genauso fremd ist wie ihm. Erstaunlicherweise fallen aber trotz der allseits namhaften Besetzung die Resultate unterschiedlich aus, wechseln sich nüchtern abgearbeitete Perkussivität mit intellektuell gestalteten Emotionsskalen im Streicherton ab. Den Anfang macht das Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester, das eine Ausarbeitung der Sonate für zwei Klaviere und Schlagzeug ist. Trotz der fabelhaft kompetenten, mit einer schier unglaublichen Leichtigkeit angegangenen Interpretation der vier Solisten Tamara Stefanovich & Pierre-Laurent Aimard (Klavier) sowie Nigel Thomas & Neil Percy am Schlagzeug vermisst man jedoch allzu sehr die Attacke und die Spontaneität. Und selbst das jazzoide Fluidum im dritten Satz wird unter den Argusaugen des Klangbaumeisters Boulez zum einzelnen Baustein und weniger zum Energiespender.
Dem unbedingten klassizistischen Vollzug folgen sodann mit dem ersten Violinkonzert und dem Bratschenkonzert zwei Werke, bei denen der Anwalt der Moderne Zugeständnisse zulassen musste. Denn der romantische Tonfall ist neben Spröde und Rasanz ein allgegenwärtiges Lebenselixier. Diese Mischung aus introvertiert-gebrochenen Monologen, kalligrafischer Schärfe (Violinkonzert) und folkloristischer Beschwingtheit (Violakonzert) gehen die beiden Solisten Gidon Kremer und Yuri Bashmet mit ideal aufwandarmem Vermögen an. Auch Pierre Boulez vermittelt in beiden Fällen mit den Berliner Philharmonikern, wie man gewinnbringend diese Hoch- und Tiefdruckkunstwerke gleichzeitig durchartikulieren und durchglühen kann.

Guido Fischer, 07.11.2008



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