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Gilfema + 2

Gilfema, Anat Cohen, John Ellis

Obliqsound/Rough Trade 59651202
(52 Min., 2/2008) 1 CD

Wer in den vergangenen Jahren mal ein Konzert von Herbie Hancock besuchte, wird ihn und seine erstaunliche Improvisationskunst kennen: den aus Benin stammenden Gitarristen Lionel Loueke. Das sei nur jenen gesagt, die mit dem Gruppennamen "Gilfema" nichts anfangen können. Es handelt sich dabei nämlich um Louekes Leib- und Magen-Band, die der Afrikaner mit seinen einstigen Studienkollegen, dem ungarischen Schlagzeuger Ferenc Nemeth und dem in Schweden aufgewachsenen italienischen Bassisten Massimo Biolcati, gleichberechtigt betreibt. Bei seiner zweiten Aufnahme ist aus dem Trio ein um zwei Klarinettisten ungewöhnlich erweitertes Quintett geworden. Genauer betrachtet verhält es sich allerdings so, dass die Bläser in erster Linie unterstützend eingreifen. Während John Ellis mit seiner Bassklarinette das starke Rhythmusfundament von Gilfema bereichert, ermöglicht Anat Cohens Klarinette reizvolle melodische Zusatzlinien.
Wie wunderbar das klingen kann, zeigt Louekes Komposition "Twins". Kontrapunktisch verwebt sich da Gesang, Gitarre und Gebläse zu einem fröhlichen Hymnus, der an den späten Joe Zawinul erinnert. Als ähnlich gelungen muss man auch Nemeths "Question of Perspective", in dem ein Bassklarinetten-Groove prächtig mit Louekes absichtslos gesummtem Gesang korrespondiert, sowie Biolcatis osteuropäisch anmutendes "Salomé" bezeichnen. Es sei gestanden: Nicht alle weiteren Stücke überzeugen restlos; zuweilen besteht ernste Verwechslungsgefahr. Aber wenn Lionel Loueke zu einem seiner irren Soli wie in "Cove" oder "Master of the Obvious" ansetzt, dann ist das zuverlässig immer mehr als nur eine Entschädigung.

Josef Engels, 05.12.2008



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