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Jean-Philippe Rameau

La naissance d´Osiris

Hugo Reyne, La Simphonie du Marais, Le Chœur du Marais, Stéphanie Révidat, Céline Ricci, Florian Westphal u.a.

Musiques à la Chabotterie/Codaex MC 002
(61 Min., 10/2005) 1 CD

1754 wehte im Pariser Musikleben schon ein neuer Wind. Ausgelöst hatte ihn zwei Jahre zuvor eine italienische Operntruppe, die mit einer Aufführung von Pergolesis "La serva padrona" eine bis dahin gänzlich unbekannte Unbeschwertheit auf der Opernbühne präsentiert hatte. Jean-Philippe Rameau wurde zwar daraufhin als Repräsentant des alten, höfischen Opernsystems gebrandmarkt, das hinderte ihn aber nicht daran, im stolzen Alter von bereits 71 Jahren an seinem Reifestil unbeirrt festzuhalten. Zumal dieser ihm weiterhin Kompositionsaufträge bei den französischen Royals garantierte. So eben auch 1754, als es die Geburt jenes Duc de Berry zu feiern galt, der später als Ludwig XVI. erst ein wenig Geschichte schreiben und dann 1793 von den Revolutionären enthauptet werden sollte. Bei der Uraufführung des Huldigungsstückes "La naissance d´Osiris – ou la fête Pamilie" am 12. Oktober 1754 war die Welt fernab von Paris, in Fontainebleau aber noch in Ordnung. Und wie schon zu Zeiten Lullys, der seinen Brötchengeber Ludwig XIV. symbolträchtig in seinen Werken hochleben ließ und verewigte, war der Stoff für das "Ballet allégorique" passgenau auf den Dauphin zugeschnitten.
Rameaus Librettist Louis de Cahusac griff dafür auf den ägyptischen Mythos vom göttlichen Wohltäter Osiris zurück, der von der aus Theben stammenden Pamilie geboren und aufgezogen wurde. Rameaus Einakter ist somit eine einzige Ode an Osiris, in die neben Pamilie und Jupiter auch ägyptische Schäferchöre einstimmen. Exotisch orientalische Farben hat Rameau jedoch kaum eingestreut, die stellt erst Dirigent Hugo Reyne bei seiner live mitgeschnittenen Ersteinspielung furios aus, indem er als musikdramaturgisch plausible Zugabe auf einen Tanz aus Rameaus Oper "Les Indes galantes" zurückgreift. Aber auch sonst hat Reyne ganze Arbeit bei der Rekonstruktion der wildverstreuten Partitur geleistet. Da wechseln sich brillante Chorsätze mit schnarrend-lyrischen Pastoralsätzen ab, sind die Arien in Virtuosität und Grazie anspringend effektvoll wie einnehmend facettenreich. Reynes Musikantentruppe fühlt sich in diesem Klangvokabular entsprechend wohl. Nur Sopranistin Stéphanie Révidat schien bei der anspruchsvollen Partie der Pamilie ein wenig überfordert. Den Gesamtgenuss kann sie aber nicht schmälern.

Guido Fischer, 08.01.2009



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