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Georg Böhm, Johann Christoph Friedrich Bach, Heinrich Schütz, Johann Sebastian Bach

Beloved and Beautiful – Meine Freundin, du bist schön

Niederländische Bach-Gesellschaft, Jos van Veldhoven

Channel Classics/harmonia mundi CCS 27308
(61 Min., 8/2008) 1 CD, SACD

Barocke Vokalmusik aus der Zeit vor Bach, basierend auf Texten des Hohelieds, präsentieren Jos van Veldhoven und seine niederländischen Musiker auf dieser ansprechenden CD; sie lassen ihr Programm in J. S. Bachs Hochzeitskantate "Der Herr denket an uns" BWV 196 münden, deren Text freilich mit dem Hohelied nichts zu tun hat.
Wie üppig und im Ausdruck glühend klein besetzte Barockmusik sein kann, demonstriert schon seit den Achtzigerjahren eine zunehmende Fülle von Aufnahmen solcher Werke, die großenteils erst im Zuge der historisch informierten Aufführungspraxis wieder die Aufmerksamkeit von Interpreten und Hörern erweckten – davor wurden sie gern als belanglos abgetan, weil man ohne intimere Kenntnis ihrer reichen Tonsprache nichts mit ihnen anzufangen wusste. Schön, dass sich das geändert hat, und schön, dass so kompetente Musiker wie van Veldhoven und seine bewährten Kräfte sich dieser Musik so engagiert annehmen. Dies führt weitgehend auch zu sehr hörenswerten Ergebnissen; dennoch seien einige Kritikpunkte nicht verschwiegen: Der Altist Marcel Beekman verwundert in G. Böhms Kantate "Mein Freund ist mein" durch seine etwas unidiomatische Artikulation des Deutschen; in diesem Punkt wäre Nachhilfe nötig. Der gewöhnlich brillante Bassist Harry van der Kamp irritiert in J. C. Bachs Kantate "Meine Freundin, du bist schön" mit leicht knödeliger Stimmgebung, die der Rezensent bei diesem verdienten Sänger sonst nicht bemerkt hat; seine Partnerin Johannette Zomer, eigentlich eine solide Sängerin, neigt (wie auch in anderen Aufnahmen) gelegentlich zu verzücktem Säuseln, durch das vor allem die textliche Prägnanz leidet. Von diesen Mängeln abgesehen gibt es auf vokaler wie auch auf instrumentaler Ebene sehr viel Schönes zu erleben: Hervorragend ist die Kongruenz des Vokaltutti (gelegentlich tritt ein Ripienist pro Stimme hinzu), und gleiches gilt für das klein besetzte Orchester, das u. a. in der Sinfonia zu BWV 196 die differenzierte Delikatesse seines beseelten Spiels unter Beweis stellen kann.

Michael Wersin, 30.01.2009



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