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John Cage

The Revenge Of The Dead Indians – In Memoriam John Cage


Mode/SunnyMoon MODEDVD 197
(173 Min., 1993) 1 DVD

Der bedeutende Musikphilosoph Heinz-Klaus Metzger nannte ihn einmal kurz und griffig einen "anti-autoritären Musiker". Und wer allein den Menschen John Cage auch nur per Konserve erlebte, der konnte sich nicht vorstellen, dass er jemals nur einmal den Zeigefinger erhoben hat. Mit seiner ruhigen, sanften Stimme räsonierte er da über die offene Welt der Klänge – nicht ohne so manche weise Pointe wieder mit einem subversiv wirkenden Lachen auszuhebeln. Denn die absolute Gewissheit überließ er lieber anderen. Während er kompositorisch die größtmögliche Freiheit auch aus dem Geist des Zufalls und des Chaos predigte. Mit dieser radikalen Ablösung vom abendländischen Kunstwerkdenken hat Cage Schule gemacht – was aus ihm dann doch wieder eine allseits verehrte Autorität machte. Und so hatte Regisseur Henning Lohner 1993 und ein Jahr nach Cages Tod keine Mühe, für sein filmisches Epitaph "The Revenge of the Dead Indians" einen prominent besetzten Chor an Cage-Fans zu einem Statement oder zu kleinen Lesungen aus Cages Schriften zu bewegen.
Da erinnern sich der Choreograf Merce Cunningham, der Komponist Iannis Xenakis und der Jazzvibrafonist Gary Burton an ihre ersten Begegnungen mit Cage. Die ansonsten so überschrille Happening-Ikone Yoko Ono gibt sich bei ihrer Eloge regelrecht handzahm, äußern sich der Architekt Jean Nouvel, der Eisen- und Stahlmodellierer Richard Serra, Rockfreak Frank Zappa und der Dramatiker Heiner Müller assoziationsreich zum Werk ihres Dalai Lamas der Neuen Musik. Eine Cage-Dokumentation im klassischen Stil ist diese Produktion dennoch nicht geworden. Anhand einer rasanten Bilderflut, die sich mit Momenten des ausgekosteten Stillstands abwechselt, entsteht ein Spannungsfeld zwischen hektisch-zivilisatorischer Unordnung und der unbehauenen Naturschönheit, das sich in dem ausschnitthaft präsentierten Musikwerk Cages spiegelt. Und wie Cage die Emanzipation der Klänge aus der Urquelle "Stille" vorantrieb, ist in den letzten vier Minuten und 33 Sekunden des Films festgehalten. Wenn er und Lohner 1990 das gleichnamige Stück "4´33´´" an einem abgerissenen Berliner Checkpoint in aller Ruhe absitzen – während das freie Berlin seinen Klangströmen freien Lauf lässt.

Guido Fischer, 30.01.2009



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