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Alban Berg

Violinkonzert

Gidon Kremer, Symphonieorchester des BR, Colin Davis

Arthaus Musik/Naxos 102 117
(82 Min., 1984 u. 1992) 2 DVDs

Man hätte sich’s ja eigentlich denken können, dass Alban Berg ein ganz schlimmer Finger war. Denn auch wenn es seiner Witwe Helene bis in die Achtzigerjahre hinein gelang, den 1935 verstorbenen Berg als treu sorgenden Familienvater zu idealisieren, musste allein schon sein auffälliges Interesse für sündige Weibsbilder wie Lulu stutzig machen. In seinem Dokumentarfilm "The secret life of Alban Berg" arbeitete Kriss Rusmanis 1992 für die BBC diese dunkle Seite des Zwölftöners auf: Mit der etwas kuhäugig dreinblickenden Kristine Ciesinski, damals eine berühmte Lulu-Darstellerin, begibt er sich auf Spurensuche, findet allerlei Liebesbriefe und lässt Zeitzeugen wie den Auftraggeber des Violinkonzerts, den US-Geiger Louis Krasner und die Komponisten Friedrich Cerha und Gottfried von Einem zu Worte kommen.
Interessant wird die Dokumentation jedoch vor allem dadurch, dass sie den Niederschlag der Amouren in Bergs Musik nachzeichnet. Etwa in der "Lyrischen Suite", in der zwei Berg und seine Angebetete Hanna Fuchs repräsentierende Motive die Vereinigung vollziehen, die dem Komponisten realiter verwehrt blieb. Oder auch im Violinkonzert, das der DVD in einem Mitschnitt aus dem Münchener Herkulessaal beigegeben ist: Gidon Kremer spielt das Stück überraschend leidenschaftlich, mit einem sinnlichem Ton, der noch in der abschließenden Choralpassage kaum von der Schönheit des Lebens Abschied nehmen will. Als ob er schon die Wahrheit über Berg geahnt hätte.

Jörg Königsdorf, 05.02.2009



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