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Giulio Caccini

L´Euridice

Scherzi Musicali, Nicolas Achten

Ricercar/Note 1 RIC 269
(80 Min., 1/2008) 1 CD

Bevor Claudio Monteverdi 1607 mit seinem "L´Orfeo" das Tor zur Oper endgültig aufstieß, hatten zwei Komponisten mit ihren Vertonungen dieses Mythos nahezu zeitgleich Pionierarbeit geleistet. Zunächst war es Jacopo Peri, der 1600 und anlässlich der Hochzeit der Maria Medici mit "L´Euridice" die musikgeschichtlich erste überlieferte Oper komponierte. Noch im selben Jahr vertonte auch Giulio Caccini das Libretto von Ottavio Rinuccini, uraufgeführt wurde seine Oper aber erst 1602, ebenfalls im Florentiner Palazzo Pitti. Obwohl Caccinis "L´Euridice" erst zwei Jahre nach Peris Version den Praxistest bestand, war er dem Kollegen nicht nur mit der Drucklegung zuvorgekommen. Caccini hatte als federführender Kopf der Florentiner "Camerata" erheblichen Anteil an Peris Komposition und damit an der aufblühenden Kunst des "Stile rappresentativo". Der im Rezitativischen organisch eingehängte Gesang als Spiegelbild des natürlichen Sprachrhythmus mag dem von großen Opernarien verwöhnten Ohr zunächst als eine eher trockene Angelegenheit scheinen. Beim belgischen Ensemble Scherzi Musicali walten hingegen derartige Interpretationswunderkräfte, dass man der Weltersteinspielung(!) von Caccinis Meisterwerk auf Anhieb den Referenzstatus attestieren möchte.
Die sensibel ausgelegten Gesangslinien und die feinstkörnig angegangene Chromatik, die würdevoll inszenierte Volkstümlichkeit und nicht zuletzt die deklamatorische Erzählhaltung, mit der die Solisten die ganze subtile Skala von Glück, Trauer und Hoffnung kammermusikalisch unmittelbar machen – all das sind nur einige von vielen Pluspunkten. Dass dahinter aber eben keine lang gedienten Alte-Musik-Spezialisten stecken, sondern eine junge, sensationell mit der Rhetorik vertraute Truppe, ist schon mehr als nur eine Überraschung. Pars pro toto sei da nur Nicolas Achten herausgehoben, der nicht nur als Ensembleleiter fungiert. Der erst 23-Jährige schlüpft mit Theorbe und seinem tenoralen, Balsam verströmenden Bariton gleich noch in die Rolle des Orpheus. Vielversprechender kann man künstlerisch wohl seine Visitenkarte nicht gestalten.

Guido Fischer, 13.02.2009



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