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Peter Iljitsch Tschaikowski

Klaviertrio op. 50

Gil Shaham, Truls Mørk, Yefim Bronfman

Canary Classics/Naxos CC05
(47 Min., 7/2006) 1 CD

Tschaikowskis einziges Klaviertrio existiert in zwei Versionen. Um die Aufführungsdauer des gut dreiviertelstündigen Monumentalwerks zu reduzieren, erlaubte der Komponist einen kapitalen Strich im Finale des zweiten Satzes und reduzierte den Überschwang, der dem Umkippen in den Trauermarsch vorausgeht, um knapp fünf Minuten. Es wäre keine schlechte Idee gewesen, wenn Gil Shaham, Yefim Bronfman und Truls Mørk in ihrer Neuaufnahme dem Hörer die Wahl zwischen beiden Finalfassungen gelassen hätten. Auf der etwas karg gefüllten CD wäre zumindest Platz genug gewesen. Doch Shaham und Kollegen bieten nicht bloß allein die Langversion, sondern sorgen auch dafür, dass sie einem noch länger vorkommt als gewöhnlich: Mit Bronfmans entweder knallhartem oder dumpfem Anschlag, Shahams erstaunlich festem, scharfen Geigenton (an dem sicher auch allzu nah aufgestellte Mikrofone mitschuldig sind) und Mørks Cello-Nüchternheit sind keine tauglichen Mittel, um den Schicksalstönen in Tschaikowskis wohl persönlichstem, dem Andenken seines Freundes Nikolaj Rubinstein gewidmeten Werk nachzuspüren.
Schon im ersten Satz verfehlen die Musiker die nötige dramatische Dringlichkeit, die über fast 20 Minuten tragen muss: Statt gegen die klotzigen Akkorde des Klaviers anzuspielen, lassen sich Shaham und Mørk manchmal bis zur Unhörbarkeit an die Wand drängen Was ernste Noblesse angeht, bleibt die klassische Aufnahme von Heifetz, Rubinstein und Piatigorsky unerreicht, und wer eine Neuaufnahme will, findet im Mitschnitt von Lars Vogts Heimbach-Festival großen sinfonischen Atem und heroischen Ernst, aber auch Verinnerlichung und Poesie. Wie es sich für das Andenken eines großen Mannes gehört.

Jörg Königsdorf, 20.02.2009



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