Responsive image
Erik Satie

Avant-dernières pensées

Alexandre Tharaud, Juliette, Jean Delescluse, Éric Le Sage, Isabelle Faust, David Guerrier

harmonia mundi HMC 902017-18
(127 Min., 4 u. 5/2008) 2 CDs

Was war Erik Satie nicht alles. Kauz und Einzelgänger, Rosenkreuzer und Marcel Duchamps Schachpartner. Doch vor allem war Satie ein begeisterter Erfinder. Von Möbelmusik und "Stücken in Birnenform". Oder von den Schikanen "Vexations", die mit ihren 840 Wiederholungen jeden Pianisten auf die Dauerbelastungsprobe stellen. Erst jüngst, bei einem knapp 24-stündigen Satie-Marathon in der Pariser Cité de la musique, wurden für dieses längste Werk der Musikgeschichte immerhin 21 Pianisten engagiert. Wobei Alexandre Tharaud sicherlich auch mal reingehört hat, um zu erfahren, wie sich die Kollegen Éric Le Sage und Hervé Niquet so schlagen. Denn Tharaud war nicht nur am Satie-Journée beteiligt. Nach Rameau, Couperin, Ravel und Debussy hat er diesen charmanten, augenzwinkernd-humorvollen wie äußerst hintergründig-eigenwilligen Komponisten nun in seine diskografische "French Connection" aufgenommen. Und Tharaud pickte sich dafür auch einige "Greatest Hits" heraus. Die introvertiert verwunschenen Vignetten "Gnossiennes" und "Gymnopédies", die elegante "Petite ouverture à danser", "Gambades" als schalkhaftes Billett ins Varieté oder das Porträt einer nichtrauchenden Seegurke.
Für seine Tour de Satie hat sich Tharaud darüber hinaus mit seinem erlesen-zarten und plastisch-gestenreichen Spiel zwei CDs lang Zeit genommen, um solistisch manche Trouvaille einstreuen und sich schließlich mit Gästen dem Kammermusiker Satie zuwenden zu können. So entpuppt sich in Tharauds Recital "Avant-dernières pensées" (Vorletzte Gedanken) Satie als Pionier des präparierten Klaviers. In den sieben Klavierstücken aus seinem einzigen Bühnenwerk "Le piège de Méduse" und damit lange vor den scheppernden Metall- und Plastikexperimenten seines späteren Fans John Cage. In den "Duos" spannt dann Tharaud den Bogen von der Music Hall über den Salon bis zur Filmleinwand. Und ob es nun eine "Fantaisie musculaire" ist (mit Geigerin Isabelle Faust), ob der motorisch kecke Einspieler "Cinéma" für vier Klavierhände oder die Chansons mal mit der etwas zu gespielt verruchten Sängerin Juliette, mal mit Tenor Jean Delescluse als Verkörperung des puren Esprits – der satiesionelle Geist dieser ansteckend gewitzten und blinzelnden Gute-Laune-Musik war im Aufnahmestudio allgegenwärtig.

Guido Fischer, 05.03.2009



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top