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Frédéric Chopin

The Legendary Moscow Recital

Artur Rubinstein

medici arts/Naxos 3078548
(97 Min., 1964) 1 DVD

Obwohl er einer der berühmtesten Pianisten des 20. Jahrhunderts war und bis ins hohe Alter unermüdlich konzertierte, existieren erstaunlicherweise nur wenige Liveaufnahmen, die das Spiel Artur Rubinsteins dokumentieren. Das gilt selbst für die Werke Chopins, die Rubinstein zwischen den Dreißiger- und Sechzigerjahren mehrfach im Studio einspielte. Der jetzt erstmals greifbare Mitschnitt des Chopinrecitals vom 1. Oktober 1964 aus dem Großen Saal des Moskauer Konservatoriums ist da ein echter Fund: Er zeigt nicht allein, dass Rubinstein auch noch mit 77 pianistisch wie musikalisch voll auf der Höhe seiner Kunst war, sondern dass er sich auf dem Podium mehr Spontaneität gestattete als in seinen parallel für die RCA entstandenen Altersaufnahmen.
Das Impromptu op. 51 etwa wird durch ein völlig natürliches Rubato belebt, das bekannte Des-Dur-Nocturne erhält durch den unruhigen Begleitrhythmus der linken Hand einen ungewohnt rhapsodischen Wellenschlag, der eher an die Aufnahmen aus der Mono-Ära erinnert. Natürlich bleibt sich Rubinstein dennoch treu: Sowohl die Polonaisen in fis-Moll und As-Dur wie auch die b-Moll-Sonate sind keine schicksalsschweren Breitwanddramen, sondern gemessene Trauerakte in Samt und Seide. Stets wahrt Rubinstein seine Noblesse und die Schönheit und Elastizität seines Tons – niemals forciert oder vulgarisiert er die Musik – lyrische Passagen bewahren bei ihm Frische und Puls, und die kurzen Schumann- und Debussy-Zugaben besitzen eine atemberaubende Poesie. Das ist Klavierspiel für die Ewigkeit.

Jörg Königsdorf, 19.03.2009



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