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Johannes Brahms

Die schöne Magelone op. 33

Inge Borkh, Konrad Jarnot, Carl-Heinz März

Orfeo C 050 041 A
(77 Min., 4/2002, 8/2002) 1 CD

Konrad Jarnot: Ein neuer Stern am Baritonhimmel? Mit Einschränkungen. Sein Kapital ist eine angenehm timbrierte, weiche, allerdings nicht übermäßig charakteristische und auch nicht allzu große Stimme. Der in Brighton geborene und an der Guildhall School ausgebildete Engländer vervollkommnete seine Fertigkeiten bei Dietrich Fischer-Dieskau, ohne diesem danach klangfarblich so zu gleichen wie manche seiner Kollegen, die auch beim Meister gewesen sind.
Der "Schönen Magelone" widmet sich Jarnot mit tadelloser Diktion und leidenschaftlich-unprätentiösem Interpretationsansatz. Da es ihm im Forte etwas an Kernigkeit und Durchschlagskraft fehlt, widersteht er nicht der Versuchung, beispielsweise im zweiten Lied ("Traun! Bogen und Pfeil") zu forcieren und dadurch sowohl seiner Stimme als auch dem melodischen und sprachlichen Fluss Gewalt anzutun. Eine leichte Überlastung, verursacht wohl durch eine nicht ganz optimale Fokussierung der Stimme, wird auch andernorts gelegentlich bei kraftvoll angegangenen Spitzentönen hörbar. Sein Piano im oberen Bereich (z. B. in "Sind es Schmerzen, sind es Freuden") spricht recht gut an, könnte allenfalls hier und da silbriger und heller sein. Insgesamt ergibt sich der Eindruck, Jarnot habe noch nicht ganz das Optimum seiner sängerisch-interpretatorischen Wirkmächtigkeit erreicht.
Inge Borkh steuert zu den von Brahms vertonten Romanzen die Prosa bei. Sie tut dies ganz ohne sich zu verbiegen: Wer einen subtilen, mittels einer Mischung aus feiner Ironie und nüchterner Schlichtheit nach Transzendierung der Alltagsrealität strebenden Vortrag erwartet, der wird enttäuscht sein (und greife lieber zu Dietlinde Turbans diesbezüglich hervorragender Version, erhältlich beim Label FMF). Nein, Inge Borkh genießt die bildreiche, altmodische Sprache und kostet ihre Reize ungehemmt aus, als trüge sie mit freundlicher großmütterlicher Begeisterung ein Märchen vor: Die gerollten R’s krachen, die Stimme wandert bisweilen verzückt ins höhere Register. Sie und Jarnot sind ein ungleiches Paar, und sie bieten weniger eine einheitlich-geschlossene als eine die immanenten Möglichkeiten in verschiedene Richtungen erprobende Version der "Magelone" an.

Michael Wersin, 12.06.2004



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