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Georg Friedrich Händel

Acis and Galatea

Susan Hamilton, Nicholas Mulroy, Matthew Brook, Dunedin Consort, Dunedin Players, John Butt

Linn/Codaex CKD 319
(95 Min., 4 u. 5/2008) 1 CD

In den Jahren 1717 und 1718 erlebte Georg Friedrich Händel eine kurze Kapellmeisterzeit in Cannons, dem Landsitz des Earl of Carnarvon. Dieser unterhielt zwar eine hochkarätige Hauskapelle, richtete aber keine Opernaufführungen aus, sodass Händel das Komponieren und Produzieren von Opern für eine Weile aufgeben musste – beinahe wenigstens: Die Masque "Acis and Galatea", die 1718 in Cannons uraufgeführt wurde, ist hinsichtlich der in ihr enthaltenen Kleinformen (Sinfonia, Rezitative und Arien, dazu Chöre) zweifellos auch so etwas wie eine Oper, wenngleich sie nur halbszenisch aufgeführt wurde, kürzer als Händels Seria-Opern ist und außerdem auf einem englischsprachigen Libretto basiert. Interessanterweise griff Händel, der ansonsten permanent bei sich selbst abschrieb, für den englischen "Acis" überhaupt nicht auf die italienische Serenata "Aci, Galatea e Polifemo" zurück, die er 1711 in Neapel komponiert hatte, sondern schuf ein musikalisch ganz eigenständiges Werk von hohem Reiz: Allein die amüsant-groteske Arie des verliebten Polyphemus "O ruddier than the cherry", in dem das monströse Einauge mit einer winzigen Blockflöte duettiert, macht das Werk schon hörenswert; daneben bezaubert insgesamt die perfekt geglückte musikalische Evokation einer unbeschwert heiteren Hirtenszenerie zu Beginn und einer herzzerreißend wehmütigen Trauer am Ende, als Acis dem Zorn des Zyklopen zum Opfer gefallen ist.
John Butt und sein hervorragendes Dunedin Consort präsentieren eine gelungene, unbedingt hörenswerte Einspielung der 1718er Version (Händel bearbeitete das Stück später mehrfach), die eine gleichwertige Alternative u. a. zu Robert Kings Aufnahme von 1989 darstellt. Die Instrumentalisten bringen es zu berückender Klangschönheit; unter den Solisten begeistert vor allem der Bassist Matthew Brook als Polyphemus, während man sich den Acis (Nicholas Mulroy) bisweilen etwas leuchtender im Timbre vorstellen könnte. Susan Hamilton (Galatea) gibt mit ihrem charakteristisch silbrigen Timbre eine überzeugende Nymphe ab.

Michael Wersin, 17.04.2009



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