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Johannes Brahms

Sonaten für Klavier und Violine

Peter Csaba, Jean-François Heisser

Praha/harmonia mundi DSD 250 187
(69 Min., 11/2002) 1 CD

Eine ambivalente Aufnahme: Zunächst erfreut man sich an Peter Csabas schönem, vollem und intensivem Violinton. Nach einer Weile lassen hier und da kleinere Ungenauigkeiten in der Intonation oder im Zusammenspiel aufhorchen, die für sich genommen zu verschmerzen wären. Dann aber, wenn der zweite Satz der ersten Sonate in G-Dur (op. 78) seinen Lauf nimmt, stößt mehr und mehr eine gewisse Monochromie auf: Müsste der Geigenpart nicht mit einem weitaus größeren Spektrum an verschiedenen Klangfarben und Affekten zum Leben erweckt werden? Könnte nicht auch der Klavierpart - immerhin schrieb Brahms seine Sonaten, wie zuvor schon Beethoven, für "Klavier und Violine" - noch aktiver und abwechslungsreicher am Geschehen partizipieren? Vergleichsaufnahmen werden herangezogen: Welch ein intensives Vorwärtsdrängen entwickelt z. B. Vladimir Ashkenazy am Beginn des zweiten Satzes der ersten Sonate im Klaviervorspiel, und wie sensibel versteht Itzhak Perlman dann den Tonfall seines Duopartners aufzugreifen! Perlman und Askenazy spielten 1983 für EMI ebenfalls alle drei Sonaten ein; der direkte Vergleich bleibt auch weiterhin aufschlussreich: Perlman und Askenazy brillieren in der Exposition des Kopfsatz der zweiten Sonate in A-Dur (op. 100) mit einer Fülle von Ausdrucksnuancen und unterschiedlichen Abstufungen des Zusammenspiels, wie sie von Csaba und seinem Klavierpartner so souverän, delikat und unmittelbar sinnenfällig bei weitem nicht erreicht werden können. Dabei mangelt es den beiden Künstlern dieser CD keineswegs an routinierter Virtuosität und vermittlungswilliger Extrovertiertheit. Im Vergleich mit den "ganz Großen" allerdings - und dazu gehören neben den Genannten jeweils auf ihre eigene Art u. a. auch Suk mit Katchen (Decca) und Szeryng mit Rubinstein (RCA) - bleiben einige Wünsche offen.

Michael Wersin, 11.12.2004



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