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You Don't Do Anything – You Let It Elove

Sergiu Celibidache

Arthaus/Naxos 101 365
(100 Min., 1992) 1 DVD

Ob eine Bachpassion oder ein Mozartdivertimento, ob eine Brucknermesse oder Beethovens Neunte – Sergiu Celibidache kannte alles bis ins kleinste Detail. In seinem Gehirn hatte er jede Partitur lückenlos abgespeichert, um bei den Proben und Konzerten bloß nichts dem Zufall zu überlassen. So grantig der Rumäne Celibidache daher einem Orchestermusiker in die Parade fahren konnte, wenn dieser sich mal wieder verzählt hatte, so huschte schnell auch ein gutmütiges Lächeln über sein Gesicht. Wenn der Glücksmoment gekommen war, in dem sich für ihn weniger die Schönheit eines Stückes als vielmehr seine "musikalische Wahrheit" gezeigt hat. Und auf der Suche nach ihr war Celibidache unerbittlich und hilfsbereit, minutiös genau und anspornend. In Jan Schmidt-Garres Filmhommage an seinen ehemaligen Lehrer Celibidache ermöglichen denn zahlreiche Probenmitschnitte, noch einmal jene Kompromisslosigkeit hautnah mitzuerleben, mit der dieser Sonderling unter den Jahrhundertdirigenten das Kunstwerk als organische Ganzheit zu (be-)greifen versuchte.
Der schon vor knapp 20 Jahren entstandene Film "You Don't Do Anything – You Let It Elove” steckt daneben auch biografische Stationen ab. Wie Celibidaches Zeit bei den Berliner Philharmonikern, zu denen er nach 40 Jahren 1992 wieder zurückkehrte, und ab 1979 bei den Münchner Philharmonikern. Mit der Kamera konnte Schmidt-Garre den 1996 verstorbenen Maestro bei bewegenden Gastspielen in Rumänien und Israel begleiten, wo Celibidache auf alte Freunde traf. Dass jedoch selbst junge Studenten den Weißmähnigen nahezu gottvatergleich verehrten, verdeutlicht eine Szene besonders. Während einer Probenpause haben sie sich wie Jünger um den bekennenden Buddhisten Celibidache versammelt, um sich von ihm eine Antwort auf die große Frage nach der Ewigkeit zu erhoffen. Doch weil Celibidache ein weiser Mann war, konnte er lediglich mit den Schultern zucken – mit dem Hinweis, dass er nur ein Musiker sei.

Guido Fischer, 07.08.2009



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