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Johann Sebastian Bach

Kantaten für das ganze liturgische Jahr, Vol. 8

Gerlinde Sämann, Petra Noskaiová, Christoph Genz, Jan van der Crabben, La Petite Bande, Sigiswald Kuijken

Accent/Note 1 ACC25308
(65 Min., 2/2008) 1 CD

Nicht eine neue Gesamtaufnahme sämtlicher Kantaten Johann Sebastian Bachs plant Sigiswald Kuijken, sondern – viel bescheidener – die Präsentation je einer Bachkantate für jeden Sonn- bzw. Feiertag des Kirchenjahres. Auf insgesamt 20 CDs wird, grob geschätzt, etwa ein Drittel der überlieferten geistlichen Kantaten erscheinen, musiziert in strikt solistischer Besetzung sowohl auf vokaler wie auch auf instrumentaler Ebene. Kuijken hat sich in dieser Hinsicht ganz den Forschungen aus angelsächsischer Richtung angeschlossen. In dieser Hinsicht unterschiedet sich sein Zugriff auf die Stücke auch deutlich von dem, den die meisten anderen Bachinterpreten der Gegenwart verfolgen: Koopman, Gardiner, Suzuki und Herreweghe arbeiten in ihren Versionen alle mit mehrfach besetzten Ensembles.
Im Falle von Kuijken spricht das Ergebnis für sich: Nicht nur ein vergleichsweise schlichter Eingangschorsatz wie "Nimm, was dein ist" (BWV 144) in der vorliegenden achten Folge der Serie macht sich als quicklebendiges Quartett in jeder Hinsicht (strukturelle Klarheit, Textverständlichkeit ...) sehr gut. Auch ein großer Choralkantaten-Eingangssatz wie "O Ewigkeit, du Donnerwort" (BWV 20), zu bewundern in Folge sieben der Serie, erscheint in einfacher Besetzung keineswegs zu leichtgewichtig für die Thematik, sondern erweist sich als atemberaubend plastisches Panorama der beispiellos detailreichen Bach'schen Textvertonungskunst. Dass Kuijken übrigens die Texte und vor allem ihr theologischer Gehalt bzw. dessen Einfließen in die Musik sehr wichtig sind, beweisen nicht nur die engagierten Einführungstexte zu jedem Werk, sondern auch überhaupt die große interpretatorische Nähe zum Wort, die aus jedem einzelnen Kantatensatz spricht. Problemlos möglich ist dies mit einem weitgehend großartigen Sängerteam: Jan van der Crabben als Bassist glänzt in dieser Folge unter anderem mit "Ächzen und erbärmlich Weinen" (BWV 13), Gerlinde Sämann fasziniert mit der schier unermesslichen Leichtigkeit und Flexibilität ihres Soprans in "Genügsamkeit ist ein Schatz" (BWV 144). Insgesamt ist hier eine – leider nicht auf Vollständigkeit angelegte – Bachkantaten-Produktion im Gange, die sich mit den anderen historisierenden Kantatenserien nicht nur messen kann, sondern ihnen in mancher Hinsicht (etwa durch die hohe qualitative Konstanz) sogar überlegen ist. Der solistische Interpretationsansatz, so umstritten er derzeit auch immer noch ist, macht zudem einen erheblichen zusätzlichen Reiz aus.

Michael Wersin, 02.09.2009



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