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Plastic Temptation

Bedrock

Winter & Winter/Edel 9101612WIN
(61 Min., 3/2009) 1 CD

Wo ist die EU, wenn man sie braucht? Brüssel verbietet Glühbirnen, erlaubt aber weiterhin den Gebrauch von umweltbelastenden und Energie nur so verschwendenden Soul-Röhren. Das finden wir bedenklich. Vor allem im Falle der gewiss hochmögenden Barbara Walker, die das auffälligste neue Element auf der inzwischen dritten Bedrock-CD darstellt.
Bei vier Stücken ist die Sängerin zu hören, zwei ("Roll with It" und "Till You Come Back to Me") nutzt sie dazu, voller Inbrunst und Soul-Gospel-Furor alles niederzubrüllen und wegzuscatten, was sich ihr in den Weg stellt. Was aber durchaus beabsichtigt sein dürfte, weil die Bedrock-Trias Uri Caine (an Saloon-Klavier, E-Piano und Schweineorgel), Tim Lefebvre (an den Bässen und elektronischen Gerätschaften) und Zach Danziger (an Schlagzeug und noch mehr elektronischen Gerätschaften) bekanntermaßen einen Heidenspaß an grellen Effekten hat.
Es dürfte kaum eine zeitgenössische Jazzformation geben, die derart gewitzt aktuelle Studio- und Sampling-Technologie mit über jeden Zweifel erhabenem Musikantentum kreuzt. Aber auch wenn Nummern wie "Noid", "Riled up", "Seven Year Glitch" oder "Mayor Goldie" wie verstörend alberne Noise-Attacken aus der Zukunft herüberkommen – das Herz von Bedrock schlägt eindeutig für die Vergangenheit. Im günstigsten Fall (wie im Titelstück "Plastic Temptation") für Herbie Hancocks Funkjazz aus den Siebzigern, im verzeihbar schlechtesten Fall für den doch einigermaßen aus der Mode geratenen Us3-Breakbeat-Jazz aus den Neunzigern ("Duke Countdown"). Aber so ist Bedrock: Selbst da, wo sich das Trio leicht verhaut, funkelt und blitzt es heller und schöner, als es die Jazzpolizei erlaubt.

Josef Engels, 11.09.2009



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