Leopold Hofmann, Wolfgang Amadeus Mozart, Joseph Haydn

Cellokonzerte

Sol Gabetta, Kammerorchester Basel, Sergio Ciomei


RCA/Sony Music 88697 54780-2
(69 Min., 9/2008, 4/2009) 1 CD

Erstaunlich, dass eine klassische Künstlerin, noch sehr jung und gerade mal drei Jahre lang "präsent", mit jeder neuen Aufnahme vordere Plätze in den sogenannten Charts besetzt – und jetzt noch mit dem Cellokonzert eines längst Unbekannten (nicht einmal Brockhaus/Riemann kennt einen Leopold Hofmann!) und dazu einem umgewidmeten Flötenkonzert von Mozart. Dazwischen Haydn, aber auch nicht das populäre D-Dur-Werk, sondern das in C. Nun, das hat natürlich auch damit zu tun, dass Sol Gabetta am Cello eine Augenweide ist. Aber noch viel mehr damit, dass sie nicht nur aussieht, als hätte sie Charme und Temperament – sie spielt auch so. Unter ihren Fingern wird das vergessene Werk in höchstem Grade lebendig, so in Richtung von: Rokoko-Sanglichkeit, zugleich aber auch von so reizvollem Ungestüm, dass es ganz von heute zu sein scheint.
Vielleicht ist es das, was Sol Gabettas Aufnahmen im Vergleich so populär macht: Sie strahlen immer Lebensfreude aus, sie suggerieren dem Hörer, es gäbe nichts Schöneres, als Violoncello zu spielen. Und diese gleichsam erotische Komponente macht sie unwiderstehlich. Gabettas Verläufe haben stets eine große Differenzierpalette, aber zugleich haben sie eben auch diesen wunderbar rhapsodischen "Zug", der den Hörer schönen Details gar nicht groß nachhängen lässt, sondern sie wie selbstverständlich einbindet ins Werkganze. Das gilt auch für Haydn und Mozart – selbst wenn's erstklassiger Haydn ist und höchstens zweitklassiger Mozart (von Oboenkonzert zu Flötenkonzert und jetzt zu Cellokonzert – aber geschickt arrangiert). Adäquat bis enthusiasmiert begleitet das Kammerorchester Basel, angeführt von Gabettas Bruder Andrés. Eine spannende – und hernach eine Wohlfühlplatte.

Thomas Rübenacker, 11.09.2009


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Dieser Mann ist ein Phänomen: Nicht erst seit der Film "Pianomania" Einblicke in die verfeinerte, ja zuweilen heikle Klangästhetik Pierre-Laurent Aimards gab, dessen Vorstellungen der hauseigene Klavierstimmer Stefan Knüpfer mit großer Hingabe zu folgen versuchte, ist der Franzose als Perfektionist bekannt. Und auch für seine Einspielung des "Wohltemperierten Klaviers I" von Johann Sebastian Bach dürfte wieder ordentlich am Instrument gefeilt worden sein. Das aber völlig zu recht, muss man zugeben, wenn man die ersten Töne des berühmten C-Dur-Präludiums hört: So fein und singend der Tonkörper des Flügels, so ist zugleich doch immer auch ein deutlicher, "knackiger" Druckpunkt auszumachen, der die Tongebung des Cembalos mit in den Klavierklang hineinnimmt. Dazu kommt Aimards ruhiger Duktus, der die Aufmerksamkeit des Hörers nicht mit virtuosem Schellenklingeln blendet, sondern - detailreich phrasiert - wie an der Hand durch die sauber gestaffelten Stimmverflechtungen und sanglichen Schönheiten dieses Tonarten-Kaleidoskops führt. Einfach bereichernd, dass Aimard - der sich vor allem als Interpret der Werke Messiaens und Boulez' seinen Namen gemacht hat - nun erstmals Bach aufgenommen hat.