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Sergei Rachmaninow, Modest Mussorgski

Etudes-Tableaux, Bilder einer Ausstellung, Eine Nacht auf dem kahlen Berg

Sa Chen

Pentatone Classics/Codaex PTC 5186 355
(66 Min., 3/2009) 1 CD

Anlässlich der Chopin-CD von Sa Chen durfte Anfang diesen Jahres vorsichtiges Lob formuliert werden: Klar war schon damals, dass die 1979 geborene Chinesin sich in puncto interpretatorischer Seriosität wohltuend von ihrem senkrecht gestarteten Landsmann Lang Lang unterscheidet: Sa Chen bietet keine Show-Effekte, sondern das Ergebnis einer fundierten Auseinandersetzung mit der dargebotenen Musik. Wie schön, dass sich dieser Eindruck im Blick auf ihre nächste CD nun konsolidiert. Sa Chen lässt zum Beispiel die unausgeschlüpften Küken in Mussorgskis "Bildern einer Ausstellung" langsamer tanzen als viele ihrer Kollegen, dafür aber besonders zierlich und galant: ein Stück musikalischen Humors unter ihren Händen, nicht eine hohle Bravournummer. Freilich kommt dennoch die Präsentation einer makellosen Spieltechnik auf dieser CD nicht zu kurz: "Limoges. Le marché" oder "The Hut on Chicken’s Legs" lassen in dieser Hinsicht nicht das Geringste zu wünschen übrig. Aber: Im Vordergrund steht immer die Musik, niemals die flinken Hände.
Gebündelt und konzentriert sind Sa Chens Interpretationen, fokussiert auf den Aussagegehalt der Musik. Dabei gibt sie sich freilich noch immer viel weniger nüchtern als einer der großen Nüchternen der Geschichte des Klavierspiels: Rachmaninows Rachmaninow ist immer kühler und distanzierter als irgendjemand anderes Rachmaninow, weshalb auch hinsichtlich der Auswahl aus den "Etudes-Tableaux", die Sa Chen hier bietet, der Vergleich mit der Einspielung durch den Komponisten selbst mit der schon fast erwarteten Überraschung endet: So auf den Punkt gebracht, so ohne jeglichen romantischen Schnickschnack, ja so klassizistisch agiert Sa Chen freilich nicht – und dennoch bewegt sie sich auf ihre eigene, individuelle Weise nahe am Ideal, weil sie eben das Wesentliche der Stücke (eine zugrundeliegende motivische Idee, ein immer wiederkehrendes rhythmisches Element, eine Entwicklung) zur Richtschnur ihres Spiels macht und sich nicht an jeder Ecke mit wohlfeilen Nebensächlichkeiten aufhält.

Michael Wersin, 02.10.2009



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