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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 7

Tonhalle-Orchester Zürich, David Zinman

RCA/Sony Music 88697 50650-2
(79 Min., 9/2008) 1 CD, SACD

Meriten und Mängel der – vorbildlich präsentierten – Züricher Mahler-Edition treten in der 1905 uraufgeführten Siebten noch deutlicher zutage als in den vorausgegangenen sechs Lieferungen. Zu den Meriten zählt zweifellos einmal mehr ein Tonhalle-Orchester, das auf jedem Stuhl exquisit besetzt scheint (allein die Hörner!) und Gruppen- und Tuttileistungen vom Besten abliefert. Und mit ihnen besondere klangsinnliche Momente: dann, wenn sein Chef in Mahler – vor allem anderen – den (Nacht-)Romantiker bzw. den Visionär der "beßren Welt" propagiert, wenn es gilt, etwa in der Mitte der Durchführung des Kopfsatzes oder in den scheinbar naturalistischen Alpenepisoden der beiden "Nachtmusiken", inmitten der hässlich lärmenden Welt innezuhalten und den Blick auf H-Dur-Himmelspforten freizugeben: Dann betört Zinman mit wunderbar zart gesponnenen, im besten Sinne harmonisch-"reinen" Visionen und Klängen "weltferner Einsamkeit". Aber das Grelle, Martialische, Sarkastisch-Gebrochene – das bleibt in Zürich außen vor, mithin auch die gähnende Fallhöhe zwischen jenen Visionen und der "Realität". Betulich schleppen sich die Marschrhythmen dahin (die sich Mahler schon als Vierjährigem in der mährischen Garnisonsstadt Iglau eingebrannt hatten), das "schattenhafte" Scherzo mit seinen Glissandi und den mit 5-fachem Forte markierten Pizzicati bleibt eher Spuk als fratzenhafte Angstvision und auch im verstörenden Finalgetöse, das alle vorhergehenden Nachtschatten-Gewächse mit gleißendem Jubel wegwischt, obsiegt die Buchstabentreue über das Wagnis der Mahler’schen Exstase. Gäbe es diesen Widerspruch in sich, in Zürich wäre er zu erleben: der "well-tempered Mahler". Aber ist das Mahler?

Christoph Braun, 23.10.2009



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