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In A Dream

Gretchen Parlato

Obliqsound/Soulfood OSCD 107
(47 Min.) 1 CD

Wayne Shorter ist berühmt für seine oftmals enigmatischen Aussprüche. Im Falle von Gretchen Parlato redet der Saxofonist und Fan aber beinahe Klartext: Die Amerikanerin mit dem hübschen Vornamen sei auf unheimliche Weise dazu in der Lage, dasselbe Instrument wie Frank Sinatra zu spielen, lobt Shorter. Gut, viel klüger ist man da zunächst nicht. Aber wenn man die zweite Einspielung des übrigens auch bei Herbie Hancock in höchstem Ansehen stehenden Talents hört, ahnt man, was gemeint sein soll. Gretchen Parlatos Gesang wirkt unglaublich entspannt, verspielt, sinnlich und ausgebufft. Und das führt dazu, dass man mehr oder minder leicht überhören kann, welche komplexen Melodielinien und gemein ungeraden Metren die Sängerin da so ganz nebenbei meistert.
Das fängt mit der erstaunlichen Bossa-Version des Stevie-Wonder-/Michael-Jackson-Klassikers "I Can’t Help It" an, in der Parlato von Gitarrist Lionel Loueke harmonisch, stimmlich und mundperkussiv unterstützt wird, geht unter anderem weiter mit einem wildkatzenhaft schleichenden Vortrag von Hancocks "Butterfly" und endet mit dem Stück "Weak" irgendwo zwischen Pop, Jazz und Latin – wie überhaupt die gesamte Aufnahme in einer stilistischen Traum-Zwischenwelt angesiedelt ist. Im Verbund mit Louekes reizvollen Afrikanismen und dem warmen Klavier-, Fender- und Orgelspiel von Aaron Parks gelingt Parlato das, was derzeit so oft probiert wird, aber meist misslingt: eine Jazzgesangs-CD mit Massenappeal, die nicht zu Tode langweilt. Auf Gretchens weitere Schritte darf man gespannt sein.

Josef Engels, 04.11.2009



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