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Frédéric Chopin

Chopin chez Pleyel

Alain Planès

harmonia mundi HMC 902052
(80 Min., 3/2009) 1 CD

Die Klavierkunst Frédéric Chopins beinhaltete, dieser Gedanke ist mit Blick auf die Faktur seiner Stücke naheliegend, neben verschiedenen interpretatorischen Finessen (Rubati, Ornamente etc.) auch improvisatorische Elemente im weiteren Sinne: Hören wir die ohne Zweifel Belcanto-inspirierten Kantilenen in der rechten Hand vieler seiner Nocturnes oder ähnlich gebauter Stücke, dann erleben wir die umspielenden Tonkaskaden, mit denen die Ursprungsmelodie immer wieder neu verziert wird, ohnehin als ein sehr freies gestalterisches Element. Naheliegend ist der Gedanke, dass Chopin selbst bei seinen Auftritten noch weitere Varianten hinzufügte. Mittlerweile lässt sich all dies – sowohl die agogischen Freiheiten als auch die improvisatorischen Elemente – anhand von überlieferten Eintragungen, die einige seiner Schüler in ihre Noten machten, exemplarisch beweisen. Alain Planès hat sich mit diesen Quellen genau beschäftigt und manches dort Gefundene in seine Darbietungen auf seiner CD übertragen. Außerdem wählte er für diese Aufnahme einen Pleyel-Flügel aus dem Jahre 1836, wie ihn Chopin womöglich selbst auch gespielt hat. Wir haben es bei dieser Einspielung eines rekonstruierten Konzertprogramms aus dem Jahre 1842 also in mehrfacher Hinsicht mit historisch informierten Interpretationen zu tun. Das macht für sich genommen freilich noch keine gelungene Schallplatte aus. Aber Planès' Spiel ist zudem so kraftvoll und stringent, so geschmackvoll und auf allen Ebenen so fein ausziseliert, dass wir von einem gelungenen Experiment sprechen dürfen – wenngleich so mancher bisher allein mit dem Steinway- oder Bösendorfer-Sound in Berührung gekommene Chopinverehrer hier und da kräftig schlucken wird ob der doch viel lapidareren, raueren Klangqualitäten dieses historischen Klavierinstruments. Man muss sich einhören, aber es lohnt sich.

Michael Wersin, 04.11.2009



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