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Johann Christian Bach

La dolce fiamma

Philippe Jaroussky, Le Cercle de l´Harmonie, Jérémie Rhorer

Virgin Classics/EMI 694 5640
(63 Min., 5/2009) 1 CD

Die Plattenfirma lässt sich ihren Spitzenstar Philippe Jaroussky etwas kosten. Ein ungewöhnlich dickes Beiheft, reich bestückt mit Bildern und einem sehr langen Einführungstext begleitet dieses Album mit Opernarien von Johann Christian Bach. Der lange Text ist jedoch nicht in erster Linie dem Interpreten geschuldet, sondern vor allem dem Komponisten: Der auf dem Cover recht locker "JC" genannte jüngste Sohn Johann Sebastian Bachs, Johann Christian, hat durchaus eine ausführliche Ehrenrettung nötig. Schließlich blieb er neben Carl Philipp Emmanuel und Wilhelm Friedemann, Bachs Söhnen aus erster Ehe, immer ein wenig ein Stiefkind: Der Vater konnte seine Ausbildung nicht mehr selbst vollenden, und eine Karriere als Opernkomponist war einem Bachsohn auch nicht gerade in die Wiege gelegt. JC beschritt diesen Weg nach einigem Zögern, dann jedoch sehr konsequent, und reüssierte vor allem in England. Überraschend ist in der Tat, dass er im Rahmen der umfassenden Wiederbelebung von Opern des 18. Jahrhunderts bisher übergangen worden ist. Seine Arien jedenfalls rechtfertigen eine Renaissance nicht weniger als diejenigen seiner Zeitgenossen: Mit der ausgesprochen sicheren Hand eines versierten Bühnenkomponisten vertonte JC die Rezitativ- und Arientexte sehr ausdrucksorientiert. In den Arien sticht oft die fantasievolle und höchst atmosphärische Instrumentierung ins Auge. Unbestechlich ist auch Bachs Gespür für effektvolle und kantable Melodien, die einem modernen Interpreten wie Philippe Jaroussky immer noch gut zu Gesichte stehen. Ach ja, Philippe Jaroussky: Den hätten wir unter dem ganzen JC-Rummel fast vergessen. Sein Gesang begeistert einmal mehr durch Natürlichkeit und hingebungsvolle Detailgenauigkeit in Sachen Wort-Ton-Bezug. Vorraussetzung dafür ist neben interpretatorischer Fantasie vor allem eine schlichtweg gut funktionierende Stimme: Wer kann, der kann. Dennoch können wir uns nicht vollkommen des Eindrucks erwehren, dass sein Material schon einmal noch obertonreicher und irisierender geklungen hat als auf dieser CD. Sollte auch Philippe Jaroussky mittlerweile im stressigen Star-Alltag ein paar Federn gelassen haben? Hoffen wir, dass die kleinen Abnutzungserscheinungen nur von vorübergehender Natur sind.

Michael Wersin, 25.11.2009



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