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Henry Purcell

King Arthur

Ana Maria Labin, Mathias Vidal, João Fernandes u.a., Le Concert Spirituel, Hervé Niquet

Glossa/Note 1 GVD921619D
(112 Min., 3/2009) 1 DVD

Bevor sich im Opernhaus in Montpellier der Vorhang zu Henry Purcells "King Arthur" hebt, wird erst einmal im Vorspann zur DVD-Aufzeichnung ein wenig Gattungskunde betrieben: Was ist eigentlich eine "Semi Opera"? Ist es eine Low-Budget-Produktion, bei der nur jedes zweite Wort gesungen wird? Und liegt im Fall der von Purcell und seinem Librettisten John Dryden eingerichteten Story um den kriegerischen King Arthur der Gral-Anteil gar nur bei 50 Prozent? Fragen über Fragen. Dirigent Hervé Niquet weiß auf jeden Fall, dass die Originalfassung von "King Arthur" mit fünf Stunden Aufführungsdauer und all den ausufernden Textpassagen viel zu lang ist. Und so hat er kurzerhand – schnipp-schnapp – eine knackige Kurzversion zusammengestellt, bei der nur die Musik zählt. Doch das war nicht Niquets erster Coup, um sich mit seinem exquisiten Alte-Musik-Ensemble Le Concert Spirituel ganz und gar mitreißend fetzig und zupackend schwungvoll auf Purcells Partitur stürzen zu können. Als besonderer Geniestreich entpuppte sich Niquets Idee, ein Regieduo zu engagieren, das nichts mit der alten Dame "Oper" am Hut hat, sondern aus der aktuellen Comedy-Szene stammt. Corinne und Gilles Benezio, die in Frankreich besser bekannt sind als "Shirley und Dino", mussten sich wohl nicht zwei Mal bitten lassen, um aus "King Arthur" eine turbulente Variante von Monty Pythons "Ritter der Kokosnuss" zu machen.
Artus' Armee ist da eine leicht depperte Truppe, die sich gegenseitig auf die Füße tritt. In der berühmten "Frostszene" steigt eine Matrone von Krankenschwester aus einem mannshohen Kühlschrank, um als Cupido den bibbernden König zu verarzten. Und während die Hirten nun als Hippies das 68er-Spiel "Love and Peace" spielen, werfen zwei leicht schwuchtelige Mönche dauergrinsend solange mit Blumen um sich – bis der genervte Bühnenarbeiter Monsieur Gilbert (hinter ihm verbirgt sich Co-Regisseur Gilles Benezio) mit der großen Laubkanone mal wieder alles wegpusten muss. Ein Gag nach dem anderen wird hier gezündet und die Artus-Sage fühlt sich im szenischen Gewand einer klamaukigen Barockoperette pudelwohl. Kein Wunder, dass auch das Sängerensemble bei dieser Produktion seinen unüberhörbaren Spaß hatte. Und wenn Hervé Niquet irgendwann mal den Dirigentenstock zur Seite legen sollte, bleibt ihm immer noch eine Karriere als Solo-Entertainer. Denn ob nun im Schottenrock oder in feschen Lederhosen – er scheint einfach alles singen zu können. Wie etwa den "Weißen Rössl"-Schlager "Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist". Bravo – und da capo!

Guido Fischer, 27.11.2009



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