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Johann Sebastian Bach

Brandenburgische Konzerte

English Baroque Soloists, John Eliot Gardiner

SDG/harmonia mundi SDG 707
(91 Min., 1 u. 4/2009) 2 CDs

Brandenburgische Konzerte in historisierender Aufführungspraxis gibt es mittlerweile en masse auf dem Markt, einige sehr gute Aufnahmen sind darunter. Kann man da noch etwas Neues bieten? Diese Frage scheint berechtigt, aber sie war nicht der Grund für den Bachkenner John Eliot Gardiner, so lange keine Einspielung der Stücke vorzulegen. Vielmehr hielt ihn seine Überzeugung ab, dass allenfalls die ersten beiden der sechs Concerti eines Dirigenten bedürfen. Alle anderen musizieren sich besser ohne "Animateur", denn sie sind kammermusikalisch angelegt. Und so überließ Gardiner für die vorliegende, live in Paris und London mitgeschnittene Aufnahme das Feld ganz seinen hervorragenden Musikern. Ob er wenigstens das erste und das zweite Concerto dirigiert hat, geht aus seinem Einführungstext nicht eindeutig hervor. Im Wesentlichen jedenfalls betätigte er sich in den Proben als aufmerksamer Zuhörer und Ratgeber. Das Ergebnis ist eine in großen Teilen tatsächlich sehr gelungene Einspielung, die durchaus ihre individuellen Züge trägt: Es wird sehr akzentuiert, oft beinahe ruppig musiziert. Der rhythmische Drive im Großen, die exakte und sehr "rhetorisch" angelegte Gliederung der Struktur bis hinunter auf die Detailebene der Motivik sind hervorstechende Merkmale, die sich mit Gardiners Erkenntnis decken (bzw. diese in die Praxis umsetzen), Bach sei im Schaffen der rhythmischen Grundmuster seiner Sätze ein unüberbotener Meister gewesen. Und so reißen diese Concerti in Gardiners (bzw. seiner Musiker) Version den Zuhörer ganz besonders kraftvoll mit, nicht zuletzt deshalb, weil auch einige der Instrumente charakterlich extrem gut zur Geltung kommen: Wo sonst rüsseln die Hörner im ersten Satz des ersten Konzerts so fetzig wie in dieser Einspielung, und wo sonst hat die Trompete im zweiten Konzert neben aller spieltechnischen Perfektion so ein hohes Maß an klanglicher Intensität zu bieten wie eben hier? Man kann sich sicherlich über die oft sehr schnellen, teils fast ein wenig verhetzten Tempi streiten, aber wie auch immer: Es gibt tatsächlich immer noch Neues zu sagen mit diesen sechs großartigen Concerti, deren geniale Faktur den Hörer ohnehin niemals müde werden lässt.

Michael Wersin, 09.01.2010



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