Richard Wagner

Das Rheingold

Juha Uusitalo, John Daszak, Franz-Josef Kapellmann, Orchester der Oper Valencia, Zubin Mehta, Carlus Padrissa

C-Major/Naxos 700508
(194 Min., 4 u. 5/2007) 2 DVDs

 

Die Antwort, die La Fura dels Baus 2007 an Valencias Oper auf die Kernfrage von Wagners "Ring" fanden, war ebenso einfach wie einleuchtend: Das menschliche Erbgut ist in ihrer Inszenierung der Tetralogie der kostbare Stoff, dessen Besitz Macht und Fluch bringt. Goldene Homunculi klont Alberich in seiner Nibelheimer Menschenschmiede, und ein goldener Fötus erscheint schon zur ersten Szene des "Rheingolds" auf den großen Projektionsflächen, die einen zentralen Bestandteil der Fura-Show bilden. Erfrischend unverkrampft ist der Zugriff der Furas, er mixt Fantasy und Welterklärung, Vergangenheit und Zukunft: Während die Götter des "Rheingolds" auf ihren Kränen durch die Luft sausen wie eine Astronautenfamilie im Weltall, nagt das Wälsungenpaar der "Walküre" im Neandertaler-Look auf nackter Bühne an ein paar Rentierknochen. Die Furas inszenieren von großen, spektakulären Bildeinfällen her: dem Netz aus Menschen, das als Walhall für einen triumphalen "Rheingold"-Schluss sorgt, der Kugel aus Leibern, die zum Walkürenritt über die Bühne schwingt. Das sorgt für großartige Momente, die aber auch über die Schwächen des Fura-Theaters hinwegtragen müssen. Denn die Feinarbeit psychologischer Personenführung interessiert sie ebenso wenig wie die Stimmigkeit erzählerischer Details. Da wird Nothung etwa einfach von der Seite zugereicht, weil sich das Zauberschwert nun mal schlecht aus der nur auf Leinwand präsenten Esche ziehen lässt. Kein Wunder, dass das Fantasy-Spektakel des "Rheingolds" deshalb besser gelingt als die "Walküre", die neben einigen tollen Bildern lange Durststrecken szenischen Halbdunkels aufweist. Hier könnte die Musik mit ihrer erzählenden Anschaulichkeit einspringen – doch leider interessiert gerade dieser Aspekt von Wagners Musiksprache den Maestro am wenigsten. Mehta dirigiert sinfonischen Wagner, imposant, melodiös und klangsatt, aber auch wenig suggestiv – das hört man an deutschen Stadttheatern oft lebendiger. Schade, denn die Sängerriege, die Valencia aufbietet, ist fast durchweg ausgezeichnet (einziger echter Schwachpunkt ist Franz-Josef Kapellmanns altmatter Alberich): Der Finne Juha Uusitalo ist ein Wotan mit Herz und anrührenden Pianotönen, die US-Wuchtbrumme Jennifer Wilson steuert als Brünnhilde kerngesunde Hojotoho-Rufe bei und selbst Petra-Maria Schnitzer gelingt an der Seite ihres Gemahls Peter Seiffert eine Sieglinde, der man Gram und Hoffnung wirklich abnimmt.

Jörg Königsdorf, 09.01.2010




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