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Othmar Schoeck

Notturno

Christian Gerhaher, Rosamunde Quartett

ECM/Universal 476 6995
(43 Min., 12/2007) 1 CD

Der Schweizer Othmar Schoeck (1886-1957) hat gerade mal als ein Two-Hit-Wonder überlebt. Da ist zum einem seine packende Kleistoper "Penthesilia". Und aus seinem durchaus riesigen Liedschaffen ragt lediglich ein Werk in Form eines Gattungsbastards heraus, sein "Notturno" für Bariton und Streichquartett. Zwischen 1931 und 1933 ist dieser auf Gedichte Nikolaus Lenaus und einem Fragment von Gottfried Keller entstanden. Am Vorabend also der europäischen Katastrophe. Als Seismograph der politischen Umstände sollte man diesen durch und durch schattenhaft angelegten Zyklus jedoch nicht hören. Allzusehr hatte Schoeck auch musikalische Motive in das fünfsätzige Werk eingearbeitet, mit denen er private Schicksalsschläge und Liebesqualen wohl zu verarbeiten gedachte.
Die lyrischen Vorlagen spiegeln im Grunde nur romantische Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit wider. Die Antidepressiva können aber bei der Neueinspielung von Bariton Christian Gerhaher und dem Rosamunde Quartett getrost im Nachttischchen bleiben. Denn Schoecks melosreiche wie zugleich feinnervig-chromatische Klangsprache besitzt diese merkwürdig bittersüße Faszination wie etwa Schönbergs "Pierrot Lunaire". Das Rosamunde Quartett macht denn auch mit aller expressiven Dringlichkeit den Einfluss der konservativen Revolutionäre aus der Zweiten Wiener Schule allgegenwärtig. Und Bariton Christian Gerhaher findet sich fernab all der manierierten Aufdringlichkeit seines Lehrers und "Notturno"-Entdeckers Dietrich Fischer-Dieskau in dieses mirakulös-verführerische Seelenpanorama ein. Mit all seinem Gespür für die poetischen Nuancen und die deklamatorischen Linien.

Guido Fischer, 23.01.2010



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