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Johann Sebastian Bach

Markus-Passion BWV 247

Dominique Horwitz, amarcord, Kölner Akademie, Michael Alexander Willens

Carus/Note 1 CAR 83.244
(73 Min., 3/2009) 1 CD

Die Partitur und das Aufführungsmaterial zu Bachs Markus-Passion sind verschollen. Lediglich überlieferte Texthefte geben Auskunft über die Struktur des Werks, um dessen Rekonstruktion sich schon verschiedene Musiker und Musikwissenschaftler bemüht haben. Als sicher kann mittlerweile gelten, dass die rahmenden Chorsätze und die meisten der Arien von Bach selbst in seiner Kantate BWV 198 wiederverwendet worden sind. Die Rücktextierung der entsprechenden Sätze führte dementsprechend zu wenigstens annähernd authentischen Ergebnissen – wobei man freilich nicht vergessen darf, dass Bach beim Parodieren nur in seltenen Fällen die Musik unangetastet ließ. Ferner ließen sich inzwischen mit einer gewissen Sicherheit auch die passenden Sätze zu den Choralstrophen in einer Sammlung von Choralsätzen Bachs nachweisen. Diesen Forschungsstand gibt die durch Andreas Glöckner für Carus besorgte Ausgabe der Markus-Passion wieder. Sie basiert auf Diethard Hellmanns wertvoller Vorgängerversion. Keine Musik liegt allerdings für sämtliche Rezitative sowie für die Turba-Chöre vor. Anders als Ton Koopman, der für seine Ausgabe selbst als Rezitativkomponist tätig wurde, beließ es Andreas Glöckner bei den musikalischen Lücken: Die Texte werden von einem Sprecher vorgetragen.
Prinzipiell ist das eine gute Lösung: Die Brüche werden zwar schmerzlich erlebbar, aber es erklingt wohltuenderweise nur "Originales" aus Bachs Feder. Ob allerdings Dominique Horwitz die richtige Wahl für die Sprecherpartie war, sei dahingestellt: So gut das Deutsch des gebürtigen Franzosen auch sein mag – es bleiben doch allenthalben deklamatorische Unschärfen zu beklagen. Man könnte sich den Vortrag des Textes wesentlich effektvoller vorstellen. Keine Wünsche lässt dagegen die musikalische Gestaltung offen: Das um vier hochkompetente Damen aufgestockte Ensemble amarcord bildet einen ebenso homogenen wie wohlklingend-geschmeidigen, angenehm klein besetzten Chor, der von den Musikern der Kölner Akademie höchst sensibel begleitet wird. Die Arien sind fast ausschließlich den Damen vorbehalten, die auch solistisch ihre Sache gut machen. Die gesprochenen Texte wie auch der insgesamt eher ruhige Charakter des musikalischen Torsos führen zu einer vergleichsweise meditativen Version des Passionsgeschehens, was zwar ungewöhnlich, aber keineswegs ohne Reiz ist.

Michael Wersin, 13.03.2010



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